15.04.10 21:58 Uhr - Hamburg
Anforderungen an einen wirksamen Kinderschutz
Fachtagung des BDK und des WEISSEN RING in Kooperation mit der Deutschen Kinderhilfe
21. April 2010 | 09:15 - 14:00 Uhr
Polizeipräsidium Hamburg ∙ Großer Sitzungssaal
Nach einer internationalen UNICEF-Studie sterben in Deutschland jede Woche zwei Kinder an den Folgen von Misshandlungen oder Vernachlässigung. Nach Klaus Hurrelmann, Soziologe an der Universität Bielefeld, sind täglich 100 000 Kinder in Gefahr, Opfer zu werden. Familiäre Gewalt gegen Kinder steht aber nicht erst seit dieser Studie im Brennpunkt des öffentlichen Interesses.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Medien nicht wieder über einen neuen Fall von Kindesvernachlässigung, Kindesmisshandlung oder Kindesmissbrauch berichten. Fälle wie die Taten an Jessica und Lara haben sich besonders in das öffentliche Bewusstsein eingebrannt. Es handelte sich dabei um Martyrien, die besonders verabscheuungswürdig waren und tödlich endeten. Oft sind Kleinkinder und Säuglinge Opfer, die naturgemäß nicht auf ihre Notsituation aufmerksam machen können.
Diese Art von Gewalt in der Familie stellt die am wenigsten kontrollierte und in ihrer Häufigkeit und Form am meisten unterschätzte Gewalt dar. Kindesvernachlässigung, Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch sind schreckliche, überwiegend tabuisierte Gewaltphänomene mitten in unserer Gesellschaft. Wir sind alle gefordert, nicht wegzusehen.
Allein der Umstand, dass sich derartige Tragödien nicht nur als Einzelfall offenbaren und vergleichbare Sachverhalte auch zukünftig zu befürchten sind, muss für alle Beteiligten Motivation genug sein, sich problemorientiert und sachbezogen mit der Thematik auseinanderzusetzen.
Die Ansatzmöglichkeiten zur Entwicklung von Problemlösungsalternativen sind ebenso vielfältig wie der Kreis der Beteiligten. Er beginnt auf höchster politischer Ebene mit der Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen, betrifft die Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden einschließlich der Polizei als Ausführungsorgane im weitesten Sinne und schließt letztlich jeden Einzelnen im Hinblick auf seine Zivilcourage ein.
Außer Frage steht, dass hier die staatliche Jugendhilfe mit Unterstützung verschiedener freier Träger auf Grund originärer Zuständigkeit den maßgeblichen Anteil zu leisten hat. Gleichwohl kann und darf die Polizei in ihrer Rolle als Gefahrenabwehr- und Strafverfolgungsbehörde nicht untätig bleiben, wenn es um erhebliche Gefahrenlagen und Straftaten geht.
Mit der Fachtagung “Anforderungen an einen wirksamen Kinderschutz” wollen der Bund Deutscher Kriminalbeamter und der WEISSE RING neue Impulse für den Kinderschutz in Hamburg setzen. Renommierte Experten stellen bewährte Modelle aus der Praxis vor und diskutieren mit den Teilnehmern.
Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme.
Programm
09:15 Begrüßung und Einführung in die Veranstaltung
André Schulz, Landesvorsitzender BDK
Wolfgang Sielaff, WEISSER RING
Grußworte
Christoph Ahlhaus, Präses der Innenbehörde
09:45 - 10:15 Kindesmisshandlung - Fälle aus der Praxis
EKHK Heinz Sprenger, Mordkommission Duisburg
10:15 - 10:45 Riskid - Wie können Kinderärzte Missbrauch erkennen und verhindern?
Dr. Ralf Kownatzki, Kinderarzt
10:45 - 11:00 Kaffeepause
11:00 - 11:30 Reformbedarf des Kinder- und Jugendhilfesystems
Georg Ehrmann, Deutsche Kinderhilfe
11:30 - 12:00 Kinderschutz in Hamburg
Dr. Angelika Kempfert, Staatsrätin der Sozialbehörde Hamburg
12:00 - 12:45 Mittagspause
12:45 - 14:00 Podiumsdiskussion
Dr. Hammer, Sozialbehörde Hamburg, Amtsleiter “Kinder- und Jugendhilfe”
Dr. Hans-Joachim Menzel, stellv. Datenschutzbeauftragter Hamburg
Dr. Jan Sperhake, UKE Eppendorf
Dr. Ralf Kownatzki, Kinderarzt
Wolfgang Sielaff, WEISSER RING
Kerstin Streich, Leiterin Kapitaldelikte, LKA Hamburg
Moderation
Helge Adolphsen, Hauptpastor St. Michaelis von 1987 – 2005
14:00 Zusammenfassung und Verabschiedung
André Schulz, Landesvorsitzender BDK
Tagungsgebühr:
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Bitte bei Anmeldung mitteilen, ob eine Teilnahme am Mittagessen (ebenfalls kostenfrei) gewünscht ist.
Anmeldung bitte per E-Mail an: lv.hamburg@bdk.de
Den Flyer zur Veranstaltung gibt es hier.









