Podiumsdiskussion "20 Jahre nach den Mafia-Morden an FALCONE und BORSELLINO"
Die in Kooperation mit der Dante Gesellschaft und dem Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung durchgeführte Podiumsdiskussion am 26. Januar in der neuen Stadtbibliothek in Stuttgart stieß auf überwältige Resonanz und lies nachdenkliche Teilnehmer zurück.
Die Vielzahl der Anmeldungen zu dieser Veranstaltung, die aufgrund der begrenzten Raumkapazität nicht annähernd befriedigt werden konnten, zeigte die hohen Erwartungen an die Referenten und das Interesse für dieses stets aktuelle Thema.
So freute sich der Präsident der Dante Gesellschaft Stuttgart, Cesare De Marchi, vor voll besetzten Rängen die Diskussionsteilnehmer um die Moderatorin Petra Reski begrüssen zu können. Auch der baden-württembergische Landespolizeipräsident Prof. Dr. Wolf Hammann war noch kurzfristig aus dem nahe gelegenen Innenministerium gekommen, um an dieser Veranstaltung teilzunehmen.
Der Buchautorin Petra Reski gelang es mit ihrem profunden Wissen zum Thema Mafia die Spannung und Aufmerksamkeit im Saal immer auf höchsten Niveau zu halten und zusammen mit den Referenten Vergangenheit und Gegenwart mafiöser Entwicklungen darzustellen.
Staatsanwalt Paolo INGROIA hatte als junger Staatsanwalt die Morde an Giovanni FALCONE und Paolo BORSELLINO vor 20 Jahren in Palermo miterlebt und führt heute ihre Vermächtnis als Anti-Mafia-Staatsanwalt fort.
"Vom Killer zum Kaufmann"
Staatsanwalt INGROIA schilderte in seinen Ausführungen sehr eindrucksvoll die Entwicklung der Mafia in Italien und deren Bekämpfung.
Er stellte dabei heraus, dass sich das Betätigungsfeld der Mafia zunehmend auf den kaufmännischen Bereich verlagert und damit die Ermittlungen erschwert habe. Der Ruck, der nach der Ermordung von Giovanni FALCONE und Paolo BORSELLINO durch die italiensche Gesellschaft gegangen sei, habe damals Rechtsgrundlagen für die Mafiabekämpfung geschaffen, welche auf die heutigen Phänomene nur noch schwer anzuwenden sind.
Salvatore
BORSELLINO, der jüngste Bruder des vor 20 Jahre ermordeten Paolo Borsellino schilderte, wie er die Auswirkungen der Mafia erlebte und was ihn bewegte von Palermo wegzuziehen. Viele persönliche Erinnerungen an seinen ermorderten Bruder hinterließen nachdenkliche Zuhörer.
Die Bekämpfung der organisierten Kriminalität in Deutschland war der Schwerpunkt von Oberstaatsanwalt Helmut KROMBACHER, der in seiner langjährigen Berufspraxis auch immer wieder mit dem Phänomen der Mafia konfrontiert war.
Für das Landeskriminalamt rundete Leitender Kriminaldirektor Anton Hönig das Thema mit dem Blickwinkel der Polizei ab und zeigte auf, welche Anstrengungen zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität unternommen werden, aber auch wo es rechtliche Grenzen in Deutschland gibt.
Bevor die Veranstaltung nach rund drei Stunden ihr Ende fand hatten die Zuhörer noch die Möglichkeit, direkte Fragen an die Referenten zu stellen, wovon Sie regen Gebrauch machten.
Rückmeldungen zur Veranstaltung
- "Meine Begleitpersonen und ich waren von den vermittelten Informationen beeindruckt und ich hatte den Eindruck, dass dies bei der überwiegenden Zahl der Besucher ebenfalls der Fall war. Aus meiner Sicht eine sehr gelungene Veranstaltung."
- "Ich möchte mich noch kurz bei Ihnen dafür bedanken, dass das gestern so gut geklappt hat. Es war eine sehr interessante Diskussion".
- "Es war für mich und ich denke auch für viele andere Gäste sehr beeindruckend, mit welcher Energie Staatsanwalt Ingroia und seine Kollegen ans Werk gehen, die Mafia-Delikte in Italien aufzuklären. Sicher haben wir in Deutschland nicht das optimale rechtliche Instrumentarium, dass Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen der Staatsanwaltschaft das hier ebenso tun können. Trotzdem denke ich, dass hier viel getan wird, gegen die Betätigung der Mafia. Ein willkommener Einblick und eine sehr gut organisierte Veranstaltung".
- "Die Aussagen von Herrn Borsellino haben mich sehr betroffen gemacht. Ich wusste nicht, dass er zum Tode seines Bruders so lange geschwiegen hat (...) Frau Reski hat es sehr gut verstanden, alle ausreichend zu Wort kommen zu lassen und darüber hinaus auch noch eigene pikante Fragen einfließen lassen, eine tolle Leistung".
Weitere bildliche Eindrücke der Veranstaltung finden Sie hier.
Der BDK bedankt sich bei der Dante Gesellschaft Stuttgart und dem Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Stuttgart und dem Team der Stadtbibliothek Stuttgart, die alle zum Erfolg dieser Veranstaltung beigetragen.
Ein besonderer Dank geht auch an ein Team der BBBank, die den zahlreichen Gästen nicht nur aktuelle Informationen boten, sondern die Durchführung dieser Veranstaltung auch unterstützt haben.
Siehe auch
- Audio-Mitschnitt der Stadtbibliothek Stuttgart
- Stuttgarter Zeitung "Umschulung vom Mafia-Killer zum Kaufmann"











