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Kripo ohne Ausbildung!?

08.04.2015 12:52

Übernahme von SCH-Aufsteigern durch das LKA löst Verwirrung aus!

Kripo ohne Ausbildung!?

U. Weinreich / pixelio.de

Bisher schauten Hamburger Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamte mit Entsetzen auf die Niedersächsische Polizei. Die hat bekanntermaßen ihre „Kriminalpolizei“ in eine „Polizei im Ermittlungsbereich“ umbenannt und setzt die Beamtinnen und Beamten - zum Nachteil der Strafverfolgung - regelmäßig für schutzpolizeiliche Aufgaben (Castor, Fußball etc.) ein. Derzeit schickt sich die Hamburger Polizeiführung an, diese Strukturfehlentscheidung der Niedersachsen noch zu toppen.

Die Niedersächsischen Einheitspolizistinnen und -polizisten genießen wenigstens im entfernteren Sinne noch so etwas wie eine Kripo-Grundausbildung, bestehend aus Modulen, die für das Handwerk eines Kriminalisten unverzichtbar sind. Auch Staatsanwaltschaften und Gerichte in Niedersachsen kritisieren diese Entwicklungen und die daraus resultierenden Ergebnisse inzwischen öffentlich.

Und die Hamburger Polizeiführung glaubt dem Anschein nach jetzt sogar auf diese Ausbildungsinhalte komplett verzichten zu können. So wurden aktuell mehrere ausschließlich für den gehobenen Dienst der Schutzpolizei ausgebildete Kolleginnen nach Antragstellung in die Kriminalpolizei übernommen. Dabei trifft diese Kolleginnen keine Schuld. Statt mit dem Antrag in bisher üblicher Praxis umzugehen, war ihnen bereits vor Wochen in rechtlich mehr als fragwürdiger Form der Wechsel durch die Akademie der Polizei per Verfügung zugesichert worden.

Die ihnen fehlende Praxisausbildung soll durch „learning by doing“ erfolgen, in Anleitung durch besonders qualifizierte Ausbildungssachbearbeiterinnen und
-sachbearbeiter. Aber wo kommen die für eine qualifizierte kriminalpolizeiliche Sachbearbeitung so notwendigen theoretischen Inhalte her? Oder meint der Leiter der AK, dass die Ausbildung der Akademie der Polizei so schlecht ist, dass getrost darauf verzichtet werden kann?

Das von der Polizeiführung seit geraumer Zeit bewegte Bestreben, die bisherigen Zugänge in die Kriminalpolizei um einen Zugang aus dem gehoben Dienst der Schutzpolizei zu erweitern, ist bislang vom BDK unter der Erwartung, dass den Dienstzweigwechslern eine entsprechende Ausbildung zu Gute kommt, konstruktiv begleitet worden. Dass die Polizeiführung nun scheinbar annimmt, „Kriminalpolizei“, ließe sich auch so nebenbei erlernen, offenbart eine bemerkenswerte Ahnungslosigkeit kriminalpolizeilicher Arbeit!

Das totgeglaubte Credo vom polizeilichen Alleskönner ist erstarkt! Spezialisierte Straftäter freuen sich! Nur weiter so Polizei Hamburg! Bis auf das der letzte Bürger seinen Glauben in die Strafverfolgung verloren hat!

Der BDK fordert eine sachgerechte und den Anforderungen entsprechende K-Ausbildung für Aufsteiger, Seiteneinsteiger und Dienstzweigwechsler!

 

 

erstellt von Schwabe, Oliver zuletzt verändert: 08.04.2015 12:52
— abgelegt unter:
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Kuech, Ulf sagt
08.04.2015 13:31
Willkommen in Absurdistan. Bislang hielt ich die Hanseaten für klüger und ich kann da nur staunen wie man denn so verquer ist und ausgerechnet das "niedersächsische Modell" zu kopieren versucht? Mittlerweile bilden wir hier im Land des roten Pferdes nach dem Studium den Nachwuchs für uns selbst langwierig wieder (aber sehr versteckt und heimlich) aus, da die Akademie allenfalls Grundkenntnisse kriminalpolizeilichen Tätigwerdens vermittelt. Würde man in der Akademie konsequent einen Teil der Studenten mit einem kriminalistischen und kriminologischen Studium ausbilden, könnten wir uns das ersparen. Der Faktor Geld scheint da bei einigen Politikern falsche Vorstellungen zu erwecken, denn es ist eine Milchmädchenrechnung, dass der Einheitspolizist weniger Kosten verursacht. Kein Krankenhaus würde auf die Idee kommen in allen Abteilungen studierte Allgemeinmediziner einzusetzen. Die Todesraten der Chirurgie und der Inneren wären exorbitant. Auch in der Industrie wäre niemand so dämlich, den Ingenieur für Stahlbautechnik für die gesamte Produktion einzustellen. Ich empfehle den Protagonisten dieser "Einheitslehre" dringend einmal in dem vom BDK erstellten "Berufsbild Kriminalpolizei" nachzulesen bevor derartiger Unfug auch noch die hamburgische Polizei lähmen wird.
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