Seminare
Hochschule der Polizei Hamburg (HdP) und Privates Sicherheitsgewerbe in einem gemeinsamen Studium

Die Geburtsstunde des gemeinsamen Studienganges mit dem Privaten Sicherheitsgewerbe (Studiengang Sicherheitsmanagement) an der neuen Hochschule der Polizei Hamburg rückt immer näher.
Zum 1. Oktober 2007 sollen zwei Studiengruppen (zukünftige Seiteneinsteiger Polizei und angehende Mitarbeiter für das mittlere Management im privaten Sicherheitsgewerbe) ihr Studium mit einem gemeinsamen achtmonatigen Grundstudium beginnen.
Die rechtlichen Voraussetzungen wurden mit einem neuen Hochschulgesetz geschaffen, ein Hochschulrat und ein Hochschulsenat wurde mittlerweile gebildet. Die zwingend notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen sind also geschaffen.
Sind es aber auch gute Bedingungen? Hier bestehen erhebliche Zweifel.
Ein Verwaltungsleiter (A 13/14) konnte bisher noch nicht geworben werden und Lehrpersonal für das private Sicherheitsgewerbe wurde ebenfalls noch nicht präsentiert. Ebenso fehlt es noch an der Zertifizierung der HdP für die Verleihung des Grades Bachelor of Arts (B.A.). Aber diese Mängel können ja noch behoben werden.
Leider mangelt es aber noch an ganz entscheidender Stelle: An den nicht vorhandenen Studenten, die sich offensichtlich für diesen, nach Auskunft des amtierenden Präsidenten der Hochschule, Herrn Jörg Feldmann, "einzigartigen Studienganges", bisher noch nicht entschieden haben. So haben sich zum Juni 2007 lediglich 13 Studenten für den Studiengang - Sicherheitsmanagement- beworben.
Etwas besser sieht es für den Studiengang der zukünftigen Seiteneinsteiger der Polizei aus. Hier sucht die Polizei 28 zukünftige Kriminalkommissarsanwärter. Immerhin bekundeten 1038 Personen ihr Interesse für diesen Studiengang. Erschreckend ist aber, dass lediglich 384 Bewerbungen abgegeben und nur noch 162 Personen zur Zulassungsprüfung eingeladen wurden. In der Vergangenheit lag die Spitzenquote bei 1: 30 (1 geeigneter Kandidat auf 30 Bewerber).
Wo liegen nun die Gründe für ein so starkes Desinteresse an dem "einzigartigen Studium"? Durchschauen sogar "Externe", dass dieses Studium zwar einzigartig, aber dadurch nicht unbedingt attraktiv ist?
Ein Student für das private Sicherheitsgewerbe muss zukünftig 490,- Euro Studiengebühren pro Monat (nicht pro Semester) entrichten. Wenn man bedenkt, dass die Zahlen der Hamburger Bewerber in der Vergangenheit immer mehr sanken, kämen für die "Zugereisten" neben den Studiengebühren noch Miete, Umzugs - und Unterhaltskosten hinzu. Wer soll sich denn ein so teures Studium leisten können. Sponsored by Omi? Analog ist es für die zukünftigen Seiteneinsteiger der Polizei zu sehen. Sie müssen zwar keine Studiengebühren entrichten, aber sie werden im gemeinsamen achtmonatigem Grundstudium nicht alimentiert. Sie können nach dem Strohhalm BAföG greifen, ohne zu wissen, ob sie nach dem Grundstudium das Hauptstudium aufnehmen dürfen.
Keine Frage: der BDK ist gegen diese zukunftsfeindlichen neuen Rahmenbedingungen.
Man darf also gespannt sein, ob Mindestgröße, Mindest- und Höchstalter, vorhandener Fachhochschulabschluss oder Fachhochschulreife und Studentenstatus in den ersten 8 Monaten d i e qualifizierten Kriminalisten der Zukunft mit qualifizierter Herkunft z.B. als Rechts- oder Wirtschaftswissenschaftler, Finanz- oder Steuerfachmann, Kriminologe oder IT-Spezialist hervorbringen wird.
Denn: Eine wesentliche Konsequenz von zunehmender Spezialisierung, von professioneller Aufgabenwahrnehmung in der Kriminalitätsbekämpfung ist natürlich eine anforderungsbezogene Personalauswahl und eine spätere Ausbildung der zukünftigen Kriminalisten.
Auf die dargestellten Mängel hat der BDK im Reformprozess immer wieder hingewiesen, mit dem offensichtlichen Desinteresse der Bewerber leider Recht bekommen.
Auf dem Expertenworkshop der Uni Hamburg (FORSI) am 18.06.2007 zum Thema "Zur Qualifizierung von Sicherheitsgewerbe und Sicherheitsmanagement - Stand und Perspektiven der Aus - und Fortbildung für Sicherheitsdienstleister" stellten Vertreter der Hochschulen aus Kiel - Altenholz, Berlin, Bremen und Hamburg ihre Bachelor-Studiengänge für das private Sicherheitsgewerbe vor.
Hervorzuheben ist hierbei, dass lediglich Hamburg ein gemeinsames achtmonatiges Grundstudium anbieten wird, welches die Hochschulen in Kiel, Berlin und Bremen aber ablehnen.
Denn an diesen Hochschulen werden die Studiengänge "Sicherheitsmanagement" bereits getrennt angeboten. Insbesondere der Vertreter aus Kiel wies darauf hin, dass die Studieninhalte im Vergleich zur polizeilichen Ausbildung sehr unterschiedlich sind und somit ein gemeinsames Studium nicht sinnvoll ist. Auch die Vertreterin aus Bremen teilte auf einer zurückliegenden Expertenanhörung im Innenausschuss der Hamburger Bürgerschaft bereits mit, dass ihre Hochschule die Planungen für ein gemeinsames Studium sehr schnell ad acta gelegt hatten.
Herr Feldmann verteidigte vor ca. 100 Experten aus Wirtschaft und Lehre die Studiengebühren von 490,- Euro pro Monat mit einem erhöhten Leistungsanreiz. Ebenso sieht er im gegenseitigen Erfahrungsaustausch einen großen Vorteil für die zukünftige "Zusammenarbeit".
Die Frage nach einer Bedarfserhebung, wie viel Sicherheitskräfte des mittleren Management benötigt das private Sicherheitsgewerbe, konnte keiner der Experten hinreichend beantworten. Wie auf vielen anderen Veranstaltungen, auf denen für diesen Studiengang geworben wurde, blieben viele Fragezeichen übrig.
Alle Experten waren sich aber einig, dass dieser Studiengang eine Bereicherung für den Arbeitsmarkt und für die Innere Sicherheit sei. Dieses dürfte zu bezweifeln sein , wenn selbst die Schaffung eines Ausbildungsberufes "Fachkraft für Schutz und Sicherheit" bereits für viele Firmen unattraktiv ist, da die Kundschaft nicht bereit ist, die damit verbundenen höheren Dienstleistungskosten zu bezahlen. Der BDK wird sich auch weiterhin kritisch und konstruktiv in den Reformprozess einbringen.










