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Fachtagung "Technik und Taktik der Vernehmung"

Fachtagung

Der BDK - Landesverband Sachsen führte am 2. Oktober 2008 eine Fachtagung zum Thema "Technik und Taktik der Vernehmung" durch. Anscheinend hatte der BDK mit diesem Thema wieder einmal die Bedürfnisse der Kriminalisten aufgegriffen, denn die Tagung war bereits im Vorfeld ausgebucht. Insgesamt fanden 91 Teilnehmern, davon 33 bisherige "Nicht-Mitglieder" den Weg ins RAMADA - Hotel nach Dresden - Leubnitz.

In seiner Begrüßungsrede wies Landesvorsitzender Uwe Baumert dann auch darauf hin, dass solche Fachtagungen durch den BDK genutzt werden, um den Mitgliedern Weiterbildungsangebote bieten zu können, zu denen der Dienstherr nur bedingt in der Lage ist. Diese Tagungen sollen einmal jährlich zu kriminalistischen Themen stattfinden.
Bezogen auf das Tagungsthema führte er aus, dass für die Kriminalistik wie auch für die Vernehmung gilt, dass "Kunst von Können kommt". Bei der Vernehmung handelt es sich um eine solche Kunst, die aber zunehmend weniger gelehrt wird. Der BDK möchte mit solchen Tagungen oder auch mit den beliebten Pocket Tipps dazu beitragen, dem Kriminalisten Werkzeuge für seine tägliche Arbeit an die Hand zu geben.

Als Referenten konnten mit Dr. Lutz Belitz, Dozent für angewandte und forensische Psychologie, sowie KR Markus Kraus, Fachbereichsleiter Kriminalistik und EKHK Bernhard Gollinger, Fachlehrer am Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei, ausgewiesene Fachleute im Bereich Vernehmung gewonnen werden.

Dr. Belitz, studierter Psychologe, war an der Humboldt-Universität Berlin, Sektion Kriminalistik, Fachbereich kriminalistische Psychologie tätig. Seit 1995 ist er Dozent für angewandte und forensische Psychologie, führt Führungskräftetraining durch und unterrichtet Vernehmungspsychologie sowie kriminalistisches Denken. Er ist Spezialist für die Erstellung von Täterprofilen und Tathergängen.

Sein Vortrag zum Thema: "Methodische und spezifische taktische Aspekte der Vernehmung von Beschuldigten und Zeugen" begann zunächst mit der Erläuterung von Begrifflichkeiten. So ist Aufgabe der Kriminalistik die beweisrelevante Wahrheitsforschung mit dem Ziel der Aufklärung, Aufdeckung, Vorbeugung und Verhütung von Straftaten. Dazu bedarf es Kriminalisten mit Fachkompetenz, sozialer Kompetenz und Selbstkompetenz. Auch ist das häufig praktizierte Prinzip des einsamen kriminalistischen Sachbearbeiters für eine effektive Fallbearbeitung eigentlich ungeeignet, da es beim kriminalistischen Denken um kreative Prozesse geht, die erst im Team erfolgreich funktionieren. Bei der kriminalistischen Wahrheitsforschung gibt es zwei Beweisstränge, den materiellen Beweis und die Aussage. Bei der Aussage kommt es darauf an, diese zu planen, gewinnen, bewerten und zu dokumentieren. Bezüglich der Dokumentation ist auf die technischen Möglichkeiten (Tonband, Video) abzustellen, da hier eine höhere Authentizität gewährleistet ist. Im Rahmen einer sorgfältigen Vernehmungsplanung sollten die Punkte: Was will ich wissen (Einkaufsliste)? Wie gehe ich vor (Situationsgestaltung)? Wie frage ich (Kommunikationsgestaltung)? überdacht werden. Insbesondere bei Beschuldigtenvernehmungen ist dabei mit Aussagewiderstand zu rechnen, dem die vielfältigsten Motive zu Grunde liegen können. Der Verteidigungsstrategie des zu Vernehmenden gilt es durch den Vernehmer eine wirkungsvolle Vernehmungsstrategie gegenüberzustellen. Diese Strategien konnte Dr. Belitz an vielen Fallbeispielen veranschaulichen.

Ferner erklärte Dr. Belitz Grundgedanken der Verhaltensanalyse am Ursachenmodell des Verhaltens in Abhängigkeit von Persönlichkeit, Situation, Umwelt. Auch hier verstand er es mit plastischen Beispielen den Bezug zur Praxis herzustellen und damit seine Zuhörer zu fesseln.

KR Kraus und EKHK Gollinger stellten in ihrem Vortrag "Verhaltensanalyse in der polizeilichen Vernehmung - Vorstellung der Inhalte des Seminars "Vernehmungspraxis" der Bayerischen Polizei" die von ihnen unterrichtete Vernehmungstechnik vor. Zu der Thematik Vernehmung gibt es derzeit am Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei die Seminare "Grundlagen Personenbeweis",  "Vernehmungspraxis" sowie ein Pilotprojekt "strukturierte Zeugenvernehmung". Die von ihnen seit 2006 vermittelte Vernehmungstechnik lehnt an die sog. "REID - Technik" an, wurde aber an die hiesigen Bedürfnisse angepasst.
KR Kraus und EKHK Gollinger wiesen darauf hin, dass es sich hierbei um eine mögliche Technik, neben anderen Vernehmungsstrategien handelt. Die Technik findet insbesondere bei Beschuldigten oder "lügenden" Zeugen Anwendung, wenn kaum oder keine Beweise vorhanden sind. Ziel dieser Technik ist ein erstes mündliches Geständnis. Einsatzbereich sind dabei vorwiegend Kapitaldelikte.
Bild 3:    KR Kraus und EKHK Gollinger bei ihren sehr praktischen Ausführungen
Zunächst wurden Grundannahmen der Technik dargestellt. So wird davon ausgegangen, dass der Täter die Tat für sich rechtfertigt. Ein Täuschender verhält sich (unbewusst) anders als ein Nichttäuschender. Aus speziellen Fragen lassen sich Hinweise auf die jeweilige Rechtfertigung und Motivlage herleiten.
Danach wurden die Rolle der Vernehmenden, Inhalte der Vernehmung, Vorbereitung und der Ablauf erklärt. Die verschiedenen Phasen: Kontaktphase, positive Belehrung, Vernehmungsgespräch mit verhaltensprovozierenden Fragen, Pause (Abstimmung zwischen Vernehmern und Nachdenkphase für Vernommenen), Themenmonolog, Geständnis und Protokollierung wurden mit Beispielen erläutert. In Bezug auf Möglichkeiten und Grenzen einer Glaubhaftigkeitsprüfung wurde klargestellt, dass es keine absoluten Lügenkennzeichen oder Rezepte für Lügenerkennung gibt, sondern nur Verhaltenssymptome, die im Zusammenhang betrachtet Anhaltspunkte für Lügen sein können. Welche Verhaltensabweichungen dabei zu beobachten sind und wie diese provoziert werden können, wurde ebenfalls an Beispielen aufgezeigt. Ausgehend von der Überlegung, dass sich die Täter zur Rechtfertigung der Abwehrmechanismen Rationalisierung, Projektion und Minimalisierung bedienen, gilt es, den Beschuldigen davon zu überzeugen, dass er sich nach einem Geständnis besser fühlt und ihm somit den Weg zu einem ersten mündlichen Geständnis zu ebenen.

Dabei ist die dargestellte Technik kein Wunderheilmittel. Sie erfordert ständige Übung und stellt hohe Anforderungen an das Vernehmerteam. Auch  wenn diese Technik nicht bei allen Vernehmungen den Erfolg bringen kann, haben die Kollegen in Bayern überwiegend positive Erfahrungen damit sammeln können.
Neben den interessanten Vorträgen gab es in den Pausen reichlich Möglichkeiten die eine oder andere Frage zu vertiefen, Kollegen wiederzutreffen oder einfach das Buffet zu genießen. Die vielen positiven Rückmeldungen zu dieser Tagung bestärken darin diese Tagungsreihe weiterzuführen.

erstellt von BDK zuletzt verändert: 03.09.2012 20:59
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