Die Bekämpfung der organisierten Kriminalität in Europa
3. Fachtagung Kripo International des Bundes Deutscher Kriminalbeamter
10. und 11. Mai 1976 in Freiburg

Für die Hilfe vieler Politiker bedanke sich der BDK-Bundesvorsitzende Rolf Grunert in seiner Einführung, da man - wie auch die Verfasser des "Berufsbild des Polizeivollzugsbeamten" - feststellen müsse, dass sich unter dem Eindruck von Ungereimtheiten und Schwierig- keiten bei einer Vielzahl von Polizeibeamten eine Haltung herausgebildet hat, die man beinahe als Staats- verdrossenheit bezeichnen müsse.
Grunert schloss mit zwei Hauptforderungen des BDK:
- Schaffung zentraler Ausbildungsstätten für alle Kriminalbeamten, sowie
- Stopp der eingeleiteten "Reformen" in einigen Bundesländern, die man besser als "Wegintegrieren" der Kriminalpolizei bezeichnen solle.
Wie sich an den Fallschilderungen der einzigartigen Verbrechen (siehe Referate) belegen ließ und auch von den Teilnehmern der Podiumsdiskussion bekundet wurde, hat sich die soziale Herkunft der Terroristen im Prinzip in den letzten 200 Jahren nicht geändert. Anzumerken sei aber, dass die Aggressivität bei den weiblichen Tätern weitaus höher sei als bei den Männern.
Es wurde auch aufgezeigt, dass die Behandlung von Erkenntnisanfragen über Terroristen über Interpol von den einzelnen Nationalen Zentral-Büros (NZB) der verschiedenen Mitgliedsländer sehr unterschiedlich ist. So ist bekannt, dass Frankreich solche Anfragen nicht gern beantworte, dass arabische Länder sich sogar ganz ausschweigen.
Alle Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass man bei der derzeitigen Rechtslage auf zwei Wege der internationalen Zusammenarbeit angewiesen ist:
Bei normalen Sachverhalten ist der in den Statuten der IKPO und den landesrechtlichen Vorschriften vorgeschriebene, offizielle Weg einzuhalten. Werden aber schnelle Maßnahmen notwendig, sollte man den inoffiziellen direkten Weg wählen, gleichzeitig aber das eigene NZB informieren.
Diese notwendige Betonung eines inoffiziellen Weges ließ es deutlich werden, dass die internationale Zusammenarbeit, zumindest in Westeuropa, dringend neu organisiert werden muss, damit der einzelne Polizeibeamte nicht mehr gezwungen ist, zum Erreichen des polizeilichen Zweckes unter Umständen gegen Dienstanweisungen und gesetzliche Vorschriften zu verstoßen!
Referate:
Der OPEC-Anschlag in Wien am 21.12.1975; Ablauf und Folgen
Dr. Robert Köck, Ministerialrat, Innenministerium, Wien
Banküberfall in Buchs und dreifacher Mord beim Zollamt Oberriet im st. gallischen Rheintal in der Schweiz durch eine internationale Verbrecherorganisation am 4./5.1.1974
Heinrich Lüchinger, Polizeikommandant, Leiter der Kantonspolizei St. Gallen/Schweiz
Vorbeugende Verbrechensbekämpfung aus der Sicht der Sachversicherer in Europa
Herr Schäfer, Geschäftsführer des Verbandes der Sachversicherer, Köln
Der Postraub von Straßburg
Commissaire Dvisionnaire Comiti, Direktor der Kriminalpolizei der Departements Haut-Rhin und Bas-Rhin, Frankreich, Straßbourg
Der Anschlag auf die deutsche Botschaft in Stockholm
Sven Thorander, Kriminalhauptkommissar, Stockholm
Die Frau als politische Mörderin
Dr. Wolf Middendorff, Kriminologe, Max-Planck-Institut, Freiburg
Ausführliche Berichterstattung siehe "der kriminalist" Nr. 9/1976










