Das Verbrechen an Natur und Umwelt als internationales Problem
6. Fachtagung Kripo International des Bundes Deutscher Kriminalbeamter
09. und 10. September 1982 in Hannover

"Die Kriminalpolizei ist keine Umweltbehörde und schon gar keine Umweltschutzorganisation und muss sich trotzdem mit dem Umweltschutz auseinandersetzen", so die Feststellung von dem BDK-Bundesvorsitzenden Ingo Herrmann. "Da der Umweltschutz und die damit verbundenen Probleme vor Ländergrenzen, ja nicht einmal vor Kontinenten halt machen, bedarf es auch eines internationalen Erfahrungsaustausches, wobei besonders die zunehmende Umweltkriminalität interessiert.
Der BDK hat versucht, während seiner 6. internationalen Fachtagung einen Beitrag zum Informations- und Erfahrungsaustausch zu leisten. Bei der Auswahl des Themas Umweltkriminalität ging es nicht darum, etwa in politische Auseinandersetzungen einzugreifen. Es kam vielmehr darauf an, aufzuzeigen, wie begangene Straftaten gegen Natur und Umwelt aufgespürt und aufgeklärt werden können, wodurch indirekt zur Verhütung derartiger Straftaten beigetragen wird.
Je intensiver man das national und international tut, je größer ist die Chance, potentielle Täter abzuschrecken. So gesehen wird der Kriminalist zum praktizierenden Umweltschützer.
Was helfen Rufe nach Frieden und Abrüstung, wenn die Menschen ihre Umwelt auf andere Weise zerstören? Dabei muss man sich darüber klar sein, dass es einen totalen Umweltschutz nicht geben kann. Wer Auto fahren will, braucht Straßen. Wer Strom haben will, braucht Kraftwerke. Wer konsumieren will, braucht die entsprechende Industrie. Wichtig ist also, dass durch möglichst geringe Beeinträchtigung der Umwelt die Lebensfähigkeit gesichert und trotzdem den Lebensbedürfnissen der menschlichen Gesellschaft Rechnung getragen wird.
Es bedarf aber gewisser Grenzen, die durch Gesetze festzulegen sind. Wer diese gesetzlichen Grenzen überschreitet, muss bestraft werden. Wer diese Grenzen jedoch nicht beachtet, um damit viel Geld zu verdienen, muss die ganze Schärfe des Gesetzes spüren. Um das zu ermöglichen, brauchen wir eine gute und auf dem Sektor der organisierten Kriminalität erfahrene Polizei, denn Umweltkriminalität stellt sich oftmals als organisierte Wirtschaftskriminalität mit einem volkswirtschaftlichen Schaden in unvorstellbarer Größenordnung dar.
Solange die Völker sich in der Entwicklung einheitlicher Begriffe und darauf basierender Programme erschöpfen, die Umweltbelastung nicht gemeinsam massiv angehen und die Umweltkriminellen, zum Teil sogar mit behördlicher Duldung, Riesenprofite einstreichen können, solange müssen wir befürchten, dass die Menschheit nicht durch Krieg, sondern durch Umweltzerstörung zugrunde geht.
Man kann sicher nicht kurzfristig eine international anwendbare Konzeption zur Bekämpfung der Umweltkriminalität entwickeln. Es erscheint jedoch dringend erforderlich, dass in naher Zukunft zunächst im eigenen Hause in Deutschland Ordnung geschaffen wird.
Den Menschen helfen die besten Umweltgesetze nichts, wenn diesen mangels konsequenter Anwendung seitens aller zuständigen Behörden und der Justiz keine Geltung verschafft wird. Die Polizei wird im Umweltschutz sicher nicht vorrangig tätig zu sein haben. Wer aber glaubt, bei dem heute bereits bekannten Ausmaß der Umweltkriminalität die Polizei erst als allerletztes Mittel einsetzen und ihre Organisation, Ausbildung und Ausrüstung weiterhin vernachlässigen zu können, ist ein Illusionist. Bei der Anpassungsfähigkeit auch umweltkrimineller Weiße-Kragen-Täter reichen die vielerlei Vorbeugungsmaßnahmen der Regierungen nicht aus.
Es bedarf umgehend durchgreifender Maßnahmen von Polizei und Justiz. Die Kriminalisten sind bereit, ihren Teil zu einem wirksamen Umweltschutz zu leisten. Man muss sie nur in die Lage versetzen, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Die intensive Bekämpfung des internationalen Umweltverbrechens ist einer der wichtigsten Teile zur Erhaltung jeglichen Lebens auf dieser Erde."
Referate:
Fordert die ökologische Krise eine neue Ethik?
Folker Thamm, Leiter der Evangelischen Erwachsenenbildung
Notwendigkeit und Ziele des Umweltschutzes
Prof. Or. Ing. Georg Redeker, Niedersächsischer Beauftragter für Umweltschutz
Der Fall Stoltzenberg
Kriminalhauptmeister Dieter Rehberg, Hamburg
Praktische Probleme im Durchsetzen des Umweltrechts"
Peter Menke-Glückert, Ministerialdirektor im Bundesministerium des Innern
Polizei und Umweltschutz - Erfahrungen im größten Hafen der Welt
Jan Van Den Meer, Polizeirat und Leiter der Wasserpolizei Rotterdam
Tatort Nordsee - Seevögel als Bio-Indikatoren für akute und chronische Meeresverschmutzungen
Dr. Gottfried Vauk, Inselstation des Institutes für Vogelforschung, Helgoland
Schwedische Umweltschutzprobleme"
Olof Egerstedt, Assessor am Oberlandesgericht, Kanzlei des Schwedischen Reichstages, Stockholm
Probleme grenzüberschreitender Umweltkriminalität
Dr. Herbert Wegschelder, Dozent an der Universität Linz
Ausführliche Berichterstattung siehe "der kriminalist" Nr. 11/1982










