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Ein Jahr nach Kevins Tod ist die Strukturkrise der Kinder- und Jugendhilfe unverändert

09.10.2007 15:53

Bund Deutscher Kriminalbeamter und Deutsche Kinderhilfe Direkt ziehen ernüchternde Bilanz: Ein Jahr nach Kevins Tod ist die Strukturkrise der Kinder- und Jugendhilfe unverändert Gewalt gegen Kinder und Kinderarmut sind untrennbar verbunden

Bielefeld, 9. Oktober 2007
Auf einer Pressekonferenz in Bielefeld bewerteten heute der Bund Deutscher Kriminalbeamter und die Deutsche Kinderhilfe Direkt gemeinsam mit dem Sozial- und Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Universität Bielefeld) und Dr. Stefanie Märzheuser, Kinderchirurgin an der Charité Berlin und Präsidentin der BAG Mehr Sicherheit für Kinder, die Maßnahmen der Politik, die seit dem Tode Kevins getroffen wurden. Fazit: Der dringend erforderliche Umbau des Jugendhilfesystems hin zu einer aufsuchenden präventiven Kinder- und Jugendhilfe ist unterblieben.

Dies spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Eine Auswertung der aktuellen Kriminalstatistiken ergibt, dass nach wie vor mehr als drei Kinder pro Woche an den Folgen von Gewalt und Misshandlung in Deutschland zu Tode kommen. Prof. Hurrelmann spricht von rund 100.000 Kindern, die aktuell in Deutschland täglich dem Risiko von Gewalt und Misshandlung ausgesetzt sind. Gewalt, Misshandlung und Verwahrlosung bei Kindern sind untrennbar verbunden mit dem Thema Kinderarmut. Nahezu alle Fälle schwerer Misshandlung und Verwahrlosung finden in der ungern benannten Unterschicht statt. Dieser Tatsache weicht die Politik aus und reduziert die Armutsdebatte auf finanzielle Aspekte.

Von Anfang an wurde der Fokus der Politik auf die Erkenntnisebene gerückt. Durch Frühwarnsysteme und Pflichtuntersuchungen beispielsweise könnten mehr Kinder in das bestehende Jugendhilfesystem eingegliedert werden. Die betroffenen Kinder wurden jedoch in allen Fällen bereits von den Jugendämtern "betreut". Der vermeidbare und tragische Todesfall des kleinen Max Luca aus Euskirchen in der vergangenen Woche belegt dies einmal mehr.

Das so genannte Jugend"hilfe"system funktioniert nicht. Weiterhin muss ein Sachbearbeiter 150 Fälle verwalten. Amtsvormünder müssen über 100 Mündel anstelle der Eltern betreuen. Weiterhin wurde im Bereich der Jugendhilfe drastisch gekürzt. Haushaltssicherungsgesetze budgetieren diesen Bereich und der dringend notwendige Ausbau einer aufsuchenden Jugendhilfe und die Delegation von Aufgaben auf freie Träger unterblieb. Von Hilfe kann da keine Rede sein.

Zusätzlich sind in deutschen Jugendämtern massive Qualitäts- und Mentalitätsprobleme festzustellen. "In der Praxis stellen wir immer wieder fest, dass Jugendämter trotz eindeutiger Hinweise im Vorfeld nicht die geeigneten Maßnahmen zum Schutz der Kinder einleiten. Auch nach eindeutigen Misshandlungsfällen läuft die Kooperation leider häufig alles andere als rund", betonte Rolf Jaeger, stellvertretender Bundesvorsitzender des BdK.

"Die Fachkräfte müssen besser geschult werden, um die neuartigen Lebenskrisen und die damit verbundenen Eltern-Kind-Konflikte besser wahrnehmen zu können. Alle Wege aus der Krise rühren an der Spannung zwischen dem in der Verfassung stark verankerten Elternrecht und dem weniger klar definierten Elternrecht. Die Einrichtungen der Kinderbetreuung, Kindererziehung und der Kinder- und Jugendhilfe müssen darin gestärkt werden, sich ein eigenes, professionell abgesichertes Bild von der Entwicklungssituation eines Kindes zu machen und ihre Sichtweise den Eltern sachlich vorzutragen. Das Bild der Vernachlässigung und Misshandlung hat sich in den letzten Jahren offenbar spürbar geändert und viele Institutionen sind darauf nicht vorbereitet", so Prof. Dr. Hurrelmann, Sozial- und Gesundheitswissenschaftler Universität Bielefeld.

Georg Ehrmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe Direkt, sagte: "Es ist erschütternd, dass nach wie vor mehr als drei Kinder pro Woche zu Tode kommen und das Thema immer noch in der sozialpolitischen Ecke schlummert. Warum gelingt es unserer Gesellschaft nicht, auch hier einen Aufstand der Anständigen ins Leben zu rufen? Warum versagt hier die Bürgergesellschaft? Warum wird der erforderliche nationale Kraftakt der drei staatlichen Ebenen von Bund Ländern und Gemeinden nicht gestemmt? Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes sind leider populärere Ziele als solche zur Reduzierung kindlicher Gewaltopfer in unserer Gesellschaft."

Pressekontakt:
Bund Deutscher Kriminalbeamter
Bernd Carstensen
Tel.: 0700 235 10000
Email: bernd.carstensen@bdk.de
www.bdk.de

Deutsche Kinderhilfe Direkt e.V.
Heidi Fülle
Tel.: 030 - 24 34 294 - 0
Email: fuelle@kinderhilfe.de
www.kinderhilfe.de

Für Rückfragen steht Ihnen Georg Ehrmann auch mobil unter derTel.-Nr. 0170 / 160 07 32 zur Verfügung.

erstellt von Bernd Carstensen zuletzt verändert: 18.08.2010 15:15
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