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11. Berliner Sicherheitsgespräche am 25.01.2017

06.02.2017 23:37

Im Anschluss an die Konferenz der Datenschützer fanden am 25.01.2017 die 11. Berliner Sicherheitsgespräche in der sächsischen Landesvertretung statt, da das Land Sachsen derzeit den Vorsitz der Innenministerkonferenz innehat. Veranstaltungsthema war „Künstliche Intelligenz – Hilfsmittel oder Konkurrenz der Polizei?“

Die Teilnehmer wurden durch Dr. Uwe Wehrstedt (EMW Exhibition & Media Wehrstedt GmbH), Markus Ulbrig (Innenminister Sachsen) und André Schulz (BuVo BDK) begrüßt und in die Thematik eingeführt. Schulz forderte in seinen einleitenden Worten bezüglich des Veranstaltungsthemas "Künstliche Intelligenz" deren intelligente Nutzung in der polizeilichen Aufgabenerfüllung. KI dürfe nicht als Feind sondern müsse als Ergänzung in der polizeilichen Arbeit gesehen werden. Auch wenn der „Job-Futuromat“, ein Online-Tool, das den Grad der Automatisierbarkeit eines Berufes angibt, (https://job-futuromat.ard.de/), für den Polizeiberuf lediglich zwischen 0% - 25% schätze, werde KI ein Gewinn für die Polizeiarbeit sein, so Schulz.

Anschließend hielt der ebenfalls anwesende Bundesinnenminister Thomas de Maizière das erste Impulsreferat der Veranstaltung. Zunächst dankte er allen Kriminalisten für die stetig gute Arbeit. Nachdem der sächsische Innenminister und André Schulz die Thematik Gesichtserkennung bereits angesprochen hatten, nahm auch der Bundesinnenminister darauf Bezug. Seiner Meinung nach handele es sich in Fällen des Einsatzes von Gesichtserkennungssoftware, in denen Personen sowieso videoüberwacht werden, nicht um einen zusätzlichen Grundrechtseingriff, wenn die Gesichtserkennungssoftware nur dann ausschlage, wenn ein gesuchter Straftäter gefilmt und erkannt werde. Dies würde einen enormen Mehrwert für die Fahndung darstellen. Auch in der Unterstützung von Observationen durch Drohnen sehe er keinen zusätzlichen Grundrechtseingriff, wenn alle sonstigen Voraussetzungen der StPO zur Durchführung einer Observation erfüllt seien. Anschließend sprach de Maizière über die polizeiliche IT-Landschaft, nannte „PIAV“, das Projekt „Netze des Bundes“ und auch seinen Vorstoß, dass das BKA ein „einheitliches Fallbearbeitungssystem“ entwickeln und den Ländern zur Verfügung stellen soll.
Weiterhin sprach er das Thema EU Datenschutzverordnung an und forderte die intelligente Verknüpfung aller Möglichkeiten, über die die europäischen Polizeien aktuell verfügen. Als konkrete Forderung nannte er die Abschaffung der Trennung zwischen Telekommunikationsgesetz (TKG) und Telemediengesetzt (TMG). Auch appellierte er an alle, dass es in Deutschland keine Zonen unterschiedlicher Sicherheit geben darf!

Im Anschluss folgte Joachim Stark (IBM, Cognitive Solutions) mit einem sehr anschaulichen Vortrag zu KI (Nachbildung menschenähnlicher Intelligenz) und zu den Möglichkeiten die sich zum jetzigen Stand aus den Entwicklungen in diesem Feld ergeben. Die autark lernenden Systeme seien auch heute schon zu großen Leistungen fähig, allerdings scheitere ein umfassender Einsatz in Deutschland an den vorhandenen Datenschutzregelungen. IBMs Watson (Das IBM-Computersystem Watson ist darauf ausgelegt, die menschliche Sprache zu verstehen, Worte und deren Kontext zu analysieren sowie die Informationen schnell zu verarbeiten. Watson ist in der Lage sich den menschlichen kognitiven Fähigkeiten anzunähern.) könnte sonst ein hilfreicher Unterstützer polizeilicher Arbeit sein.

In einem bilateralen Gespräch am Rande der Veranstaltung berichtete J. Stark mir von dem Einsatz einer Gesichtserkennungssoftware in Kombination mit BodyCams. Sobald ein gesuchter Straftäter erkannt wird, erhält der Polizist eine Nachricht auf sein Mobiltelefon und kann so in Echtzeit Maßnahmen, wie z.B. die Verfolgung aufzunehmen, ergreifen. Er sprach an, dass die Masse aller aktuell existierenden Daten exponentiell anwachse und man heute erst (je nach Quelle) zwischen 0,5 und 5 % aller Daten analysiert habe.

Getoppt wurde das Ganze durch den folgenden Vortrag von Jay Tuck (Autor und US-Sicherheitsexperte), der uns Deutschen anhand des im Falle „Amri“ veröffentlichten Fahndungsplakates vor Augen führte, mit welch veralteten Methoden die Polizei hier arbeiten muss. (BKA-Abteilungsleiter Gerhard Hantschke rechtfertigte diesen Schritt damit, dass man lediglich den Medien zuvorkommen wollte, um einheitliches Bildmaterial von Amri zu verbreiten.)
In den USA werde nun erstmal der „Amazon“-Lautsprecher „Echo“ als Zeuge vor Gericht zugelassen, da er eventuell Audiodateien eines Mordes mitgeschnitten haben könnte. Zudem gebe es in Amerika bereits seit Mitte der 90er Jahre voll vernetzte Streifenwagen.
Wie auch seine Vorredner kam Tuck auf das Thema Videoüberwachung und Gesichtserkennung zu sprechen. In den USA werde aktuell eine Software zur Gesichtserkennung getestet. Im Einsatz seien "optical stealth"-Drohnen (diese werden nicht vom Radar erkannt und sind unsichtbar, da Kameras an der Oberfläche den Himmel filmen und diese Bilder auf PVC-Platten an der Unterseite projizieren), die mit unzähligen Kameras ausgestattet sind. Fliegt die Drohne nun unentdeckt über einer Stadt, filmt sie alles in einem großen Umkreis. Diese Bilder werden in Echtzeit mit einer Gesichtserkennungssoftware abgeglichen und können so Personen in Sekundenschnelle identifizieren. Auch sei die Software mit weiteren Systemen, z.B. der Kraftfahrzeugregistratur verbunden, wodurch auch PKWs unmittelbar identifiziert werden können.
Eine solche Verknüpfung von aufgrund unterschiedlicher Rechtsgrundlagen erhobenen Daten ist in Deutschland allerdings undenkbar.

In der abschließenden Podiumsdiskussion waren neben den bereits erwähnten Rednern noch Gerhard Hantschke (BKA) und Dr. Sirko Straube (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) vertreten.

Insgesamt war die Veranstaltung geprägt von interessanten Themen. Überwiegend ging es um intelligente Polizeiarbeit und die Nutzung von Informationen dabei. Künstliche Intelligenz wurde, entgegen des Titels der Veranstaltung, nur von Joachim Stark thematisiert.
Dies zeigt aber auch, wie weit wir in Deutschland noch von der gewinnbringenden Nutzung von KI entfernt sind.

 

Lena Höfig

erstellt von verband bka zuletzt verändert: 06.02.2017 23:37
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