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Presseerklärung des Landesverbands Hessen zur Leichenschau

13.03.2016 18:35

Frankfurt macht es vor – so wünschen sich Kriminalisten die Bearbeitung von Todesermittlungsverfahren – jede Abkehr vom aktuellen System birgt die Gefahr unerkannter Tötungsdelikte.

Presseerklärung des Landesverbands Hessen zur Leichenschau

Professionelle Todesermittlungen

Jeder Todesfall bedeutet für die Angehörigen und Freunde des Verstorbenen einen von tiefer Trauer geprägten Einschnitt, bei dem, im Falle einer Hinzuziehung der Polizei, einerseits kriminalistisch professionelles Arbeiten, andererseits aber auch ein sensibler Umgang mit den Angehörigen erwartet wird.

 

Nach den Bestimmungen des Hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetz ist jede niedergelassene Ärztin und jeder niedergelassene Arzt  berechtigt und verpflichtet einen Leichenschauschein auszustellen. Hierbei muss im Rahmen der ärztlichen Leichenschau bescheinigt werden, ob es sich um eine „natürliche, ungeklärte oder nicht-natürliche Todesart“ handelt. Kommt der am Leichenfundort agierende Arzt zu dem Ergebnis einer ungeklärten oder nicht-natürlichen Todesart (Fremdverschulden, Unfallgeschehen oder Suizid) muss er unmittelbar die Polizei verständigen.

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main werden jährlich etwa 700 – 1.000 Sterbefälle als „ungeklärte“ bzw. „nicht-natürliche Todesart“ klassifiziert und sogenannte „Todesermittlungsverfahren“ eingeleitet. In 31 Fällen wurden im Jahr 2015 Straftaten gegen das Leben bearbeitet.

Die weitere Bearbeitung dieser polizeilichen Leichensachen erfolgt dann beim Polizeipräsidium Frankfurt am Main durch versierte Kolleginnen und Kollegen des Kommissariats 11 (Mordkommission) und des Kriminaldauerdienstes, der rund um die Uhr erreichbar ist. 

Während bis Ende des Jahres 2015 der ärztliche Bereitschaftsdienst der Stadt Frankfurt die Leichenschau durchführte, ist seit Beginn 2016 vertraglich das Institut für Rechtsmedizin der Johann-Wolfgang-Goethe Universität für die Durchführung der Leichenschauen zuständig, womit gewährleistet ist, dass nun nicht mehr jede niedergelassene Ärztin /jeder niedergelassene Arzt, sondern Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner die notwendigen Untersuchungen vornehmen.

Aus Sicht des Bund Deutscher Kriminalbeamter ist nunmehr in Frankfurt am Main eine Verfahrensweise zum Standard geworden, die richtungsweisend für den Umgang mit Todesermittlungen sein sollte. Vor dem Hintergrund einer zu vermutenden Vielzahl unerkannter Tötungsdelikte fordert der BDK seit Jahren eine Professionalisierung der Durchführung von Todeser-mittlungsverfahren. Die nach Gesetzeslage zulässige Vornahme einer Leichenschau durch einen Arzt für Allgemeinmedizin, dessen forensisches Wissen häufig aus Studienzeiten herrührt, kann nicht die Antwort auf ca. 1.000 vermutete unerkannte Tötungsdelikte jährlich in Deutschland sein.

 

Der BDK begrüßt daher nachdrücklich die aktuell in Frankfurt am Main praktizierte Lösung und warnt vor einer Abkehr von diesem Weg, der vielmehr in Hessen eine flächendeckende Ausweitung erfahren sollte. Dadurch ist sowohl auf ärztlicher, als auch auf polizeilicher Seite die notwendige Fachlichkeit beim Umgang mit Todesermittlungsverfahren gewährleistet.

 

Dirk Peglow

Stellvertretender Landesvorsitzender

 

Für Rückfragen: 0171/3441846

 

 

Link zur Berichterstattung in der FNP vom 14.3.2016

erstellt von Peglow, Dirk zuletzt verändert: 14.03.2016 06:20
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Stahl, Andreas sagt
13.03.2016 21:07
Hallo Dirk,
grundsätzlich ein toller Erfolg, nur, wie läßt sich das in die Praxis umsetzen? In München (pro Jahr ca. 2500 Polizeileichen - ohne Verkehrstote!) hat dies vor Jahren auch das Institut für Rechtsmedizin versucht, ist jedoch personell kläglich gescheitert. Seitdem wird hier die Leichenschau auch wieder von Nicht-Rechtsmedizinern durchgeführt, die Einteilung hierüber erfolgt durch die Ärztekammer, das IfR hat nur noch "Fachaufsicht"! Es gibt nicht wenige Zeiten, in denen in München überhaupt kein Leichenschauer zur Verfügung steht!!! Ich hoffe, dass es bei Euch auf lange Sicht besser läuft!
Andy Stahl
Peglow, Dirk sagt
14.03.2016 08:35
Eine Beauftragung des GMI bedeutet in Städten wie München und Frankfurt natürlich auch eine Aufstockung des Personalbestands der Rechtsmedizin, was ich in Anbetracht der Wichtigkeit ordentlich durchgeführter Leichenschauen gerechtfertigt halte.
Heid, Paul sagt
18.03.2016 12:42
Für eine Stadt wie Frankfurt eine optimale Lösung. Aber was ist mit dem flachen Land? Unsere zuständigen Rechtsmediziner kommen aus Gießen. Die sind für den gesamten mittel- und osthessischen Bereich zuständig. Es ist bei uns schon schwierig überhaupt noch einen Arzt an die Fundstelle zu kriegen. Oft hört man : Meine Praxis ist voll! Der ärztliche Notdienst sagt: Wir sind für die Lebenden da und nicht für die Toten. Es muss weiterhin bei der Politik eine Veränderung eingefordert werden.

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