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Mehr Geld für Polizei-Werbung - sinnvoll oder verschenkt?

03.12.2018 19:19

Zu Beginn des Weihnachtsmonats gleich einmal eine erfreuliche Nachricht. Die Gelder zur Werbung für den Einstieg in unsere Landespolizei wurden auf jetzt 185.000 Euro aufgestockt. Ein gutes Omen? Ein schlechtes Zeichen?

Wenn in den Medien im Nordosten um Nachwuchs geworben wird, kann das so schlecht nicht sein. Anzeigen in Printmedien, Werbespots im Radio, Reklame am Streifenwagen oder Werbung auf Ausbildungsmessen helfen ganz sicher potentielle neue Kolleginnen und Kollegen zu interessieren. Noch besser wäre sicherlich eine bevorzugte Werbung in den „Neuen Medien“. Vielleicht verwenden die Verantwortlichen den Aufstockungsbetrag ja für die letztere, der Jugend eher ansprechendenden Variante, um dem festgestellten Nachwuchsmangel zu begegnen.

Aber helfen diese Werbe-Maßnahmen tatsächlich geringere Bewerberzahlen zu vermeiden und wieder mehr geeignete Kandidatinnen oder Kandidaten für einen Dienst in unserer Landespolizei zu gewinnen? Oder ist unsere Polizei als Arbeitgeber vielleicht nicht oder nicht mehr attraktiv genug?

Was erwartet die meisten Absolventen unserer aus allen personellen und räumlichen Nähten platzenden Fachhochschule nach der Ausbildung oder dem Studium? Eine sehr überschaubare „Karriere“ mit einer oder zwei Beförderungen, oft verbunden mit nicht besonders beliebten Dienstposten ohne Chance auf einen Wechsel. Hinzu kommt die Führung durch ständig wechselnde Vorgesetzte, die sich der unsinnigen Vorgabe einer so genannten Verwendungsbreite fügen müssen und dadurch wenig Fachlichkeit auf einzelnen Dienstposten erlangen können. Fachkarrieren von Sachbearbeitern sind ebenfalls nicht planbar, da in Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor nur der Einheitspolizist produziert wird und nicht die erforderlichen Fachausbildungen zum Bereitschafts-, Wasserschutz, Schutz- oder Kriminalpolizisten durchlaufen werden können.

Darüber hinaus ist der Beförderungsstau schon fast sprichwörtlich und bereits häufiger Thema in den Medien gewesen. Viel zu viele Polizistinnen und Polizisten bekleiden Posten, die in höheren Besoldungsgruppen angesiedelt sind. Da aber das Finanzministerium die notwendigen Gelder für die maximale Bezahlung der ausgeübten Posten weder plant noch bereitstellt, ist der Beförderungsstau selbstgemacht und offenbar gewollt.

All diese Probleme und Unzulänglichkeiten unserer Landespolizei bleiben nicht unbemerkt, schon gar nicht von potentiellen Bewerberinnen und Bewerbern. Diese werden sich zumindest einige der nachfolgenden Fragen stellen:

  • Weshalb soll ich in Meck-Pomm anheuern, wo ich doch in einigen Nachbarländern direkt zur Wasserschutz- oder Kriminalpolizei gehen kann?
  • Weshalb ist keine Fachkarriere als Spezialist ohne Führungsfunktion bis zum Amt eines Direktors möglich?
  • Wieso soll ich mich für die Polizei entscheiden, während mir sogar die Allgemeine Verwaltung eine weitaus bessere Karriere bieten kann?
  • Reichen mir eine oder zwei Beförderungen in meiner beruflichen Karriere?
  • Weshalb sind fast 250 Stellen in dieser Landespolizei gar nicht erst besetzt?
  • Wieso stehen für etliche Dienstposten keine Planstellen zur Verfügung und müssen über so genannte Abordnungen besetzt werden?
  • Warum soll ich meine speziellen Kenntnisse in den Dienst der Polizei stellen, wo mir doch Industrie und Handel wesentlich mehr zahlen können?
  • Weshalb soll ich meine Gesundheit bei einer Polizei riskieren, die einen durchschnittlichen Krankenstand von fast 40 Tagen hat und der daher täglich etwa 500 Beschäftigte statistisch krank fehlen?

Eine ausgeweitete oder effektivere Werbung hilft bei der Beantwortung dieser Fragen nicht, solange die Rahmenbedingungen nicht umfassend stimmen. Aus unserer Sicht ist die Öffentlichkeitswerbung aktuell eher ein Nebenkriegsschauplatz. Wir müssen die Grundlagen verändern und nicht so tun, als würden wir für eine funktionierende und in sich starke Organisation werben. Ansonsten ist das Geld wirklich falsch eingesetzt.

Wer gute Leute haben will, muss sie gut bezahlen, sie allseitig fürsorglich behandeln und ihnen ehrliche Karrierechancen lassen.

Und jetzt denken wir alle einmal an die Kolleginnen und Kollegen bei der Feuerwehr, den Rettungsdiensten und der Justiz…

Ronald Buck

erstellt von Bone-Winkel, Eike zuletzt verändert: 03.12.2018 19:19
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Schneider, Olaf sagt
08.12.2018 10:16
Jede Regierung ändert Zuschnitte und Bezeichnungen von Ministerien und Behörden. Manchmal gibt es dafür fachliche Gründe, häufiger aber geht es schlicht um Koalitionsproporz oder Machtansprüche. Organisationsänderungen gehen freilich nicht per Federstrich. Mit den Kompetenzfeldern müssen Personal und Liegenschaften verschoben und oft vermehrt werden. Das bringt viele Friktionen. Nur selten ist das Ergebnis die Bündelung des Sachverstands oder die Verschlankung der Strukturen. Die Bewegungsrichtung ist regelmäßig eine andere: Der Apparat wächst und die Effizienz leidet. Die Behörde wird adipös und verharrt in verkrusteten Strukturen.
So auch in der Polizei, wurden doch die Führungsstäbe mit der letzten Struktur aufgebläht um angeblich mehr Polizisten auf die Straße zu bringen.
Die Realität sieht anders aus – Personal fehlt an allen Ecken und Enden oder die Polizei hat zu viele, mitunter unnötige Aufgaben (Verdrängungskonzept vor Banken oder Absicherung von Parteibüros nach Steinwürfen durch Spezialkräfte), wo Wachdienste genügen würden.
Mit einem Taschenspielertrick versucht das Innenministerium nachzubessern und versetzte die Verkehrsermittler der Kriminalkommissariate unter Beibehaltung ihrer Zuständigkeit in die Reviere. Das stärkt zwar die Reviere personell hat aber keine Auswirkung auf die Streife.
Und nach wie vor müssen Kriminalbeamte in Schutzausrüstung Veranstaltungen und Demos absichern, fehlen damit im Tagesgeschäft und die eigentlichen Kernaufgaben bleiben liegen.

Olaf Schneider

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