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Schießwütige Bullen

05.07.2013 18:00

Nun ist es mir doch passiert: Ich bin ein Wutbürger geworden. So wütend, dass ich in dieser schlaflosen Nacht meine Wut in Worte fassen muss! Vor einigen Tagen ist in Berlin ein Mensch getötet worden. Wenn man einigen Kommentatoren im Internet glaubt, ist er sogar ermordet worden... Mindestens!

Immer wieder lese ich im Netz dazu etwas von "schießwütigen Bullen". Ich möchte es einmal deutlich sagen: Es gibt keine schießwütigen Bullen! Kann es ja auch gar nicht. Bullen haben nämlich vier Beine und leben, wenn es gut für sie läuft, auf der Weide.

Gibt es dann vielleicht schießwütige Polizisten? Auch da gibt es nur eine Antwort: Nein! Woher ich das weiß? Nun es ist eine ganz einfache Überlegung: Jeder fertig ausgebildete Polizeivollzugsbeamte in diesem Land ist Waffenträger auf Dauer. Dass bedeutet, er darf rund um die Uhr, also auch wenn er nicht im Dienst ist, seine ihm dienstlich zur Verfügung gestellte Waffe, inkl. der dazugehörigen Munition bei sich führen. Wenn es also tatsächlich schießwütige Polizisten gäbe, würde der eine oder andere von ihnen wohl auch mal schießen... Davon hätte ich jedoch bislang noch nichts gehört.

Warum hat dieser Polizist denn nun aber geschossen? Nun, wir haben doch alle das gleiche Video gesehen, oder? Hat der Polizist geschossen, weil er gerne Menschen erschießt? Hat er geschossen, weil er sich zu Beginn seiner Schicht vorgenommen hat, den ersten, der ihm heute in die Quere kommt zu erschießen? Nein! Ich glaube, in dem Video gesehen zu haben, warum er geschossen hat: Er hatte Angst! Er hatte eine Scheißangst! Er hatte Angst davor, diesen Tag, diese Schicht, diesen Einsatz nicht zu überleben! Er hatte Angst davor, dass nicht er nach Schichtende zu seiner Familie nach Hause fahren würde, sondern sein Chef... In Galauniform und mit betretener Miene. Er hatte Angst davor, einen möglicherweise tödlichen Fehler zu begehen.

Nun, viele sagen im Netz: Er hätte doch aber gar nicht in den Brunnen steigen zu brauchen... Doch! Er musste sogar! Oder kann sich außer mir niemand diesen Sturm der Entrüstung vorstellen, der über die Polizei herein gebrochen wäre, wenn der Mann sich vor laufenden Handykameras und den Augen der zahlreich anwesenden Polizei das Leben genommen hätte? Wahrscheinlich ist es sogar ein besonders guter Polizist gewesen, der eben noch nicht auf Grund der ganzen negativen Umstände, die diesen Beruf begleiten, innerlich gekündigt hat, und in diesem Moment eben genau das tat, was er für notwendig erachtete: Diesem Menschen, der sich dort offensichtlich das Leben auf eine besonders grausame Art und Weise nehmen wollte, zu helfen... Und zwar nicht beim Sterben!

Dann lese ich im Netz immer wieder: Warum hat er ihm denn nicht in die Beine geschossen? Warum hat er ihm nicht mit dem Schlagstock das Messer aus der Hand geschlagen?

Solche Fragen kann man sich wohl nur stellen, wenn man noch nie auch nur ansatzweise in einer ähnlichen Situation war. Warum er nicht in die Beine geschossen hat? Nun ganz einfach: Ein Messer ist eine tödliche Waffe! Wer bitte schön wendet in einer solchen Situation, nur zwei Armlängen von einem Mann, der schon an seinem eigenen Körper bewiesen hat, dass er gewillt ist, diese Waffe einzusetzen, den Blick von dem Messer ab, um zu schauen, in welches Bein er jetzt wie schießt? Ich kann es mir nicht vorstellen, dass einer dieser Kommentatoren die Nerven dazu gehabt hätte!

Und warum hat er nicht den Schlagstock genutzt? Auch hier ist die Antwort einfacher, als es viele wahr haben wollen: Weil er ihn nicht in der Hand hatte! Es fällt in diesem Moment ja schon schwer, den Blick auch nur kurz von dem Messer zu lösen... Und dann sollte dieser Polizist sich die Zeit nehmen, die Waffe wegzustecken und einen Schlagstock zu ziehen?

Auch gern von mir gelesen war die Frage, warum der einschreitende Beamte keine Schutzweste trug... Nun, vielleicht hat er keine? Oder ihm war zu warm dafür? Oder er hat sie vergessen? Oder... Ist es nicht egal?! Selbstverständlich wäre es für die von mir angesprochenen Kommentatoren nicht egal. Sie hätten in dem Wissen, wahrscheinlich nur an Armen, Beinen und Kopf verletzt werden zu können, sofort auf die Schusswaffe verzichtet... So mutig bin ich leider nicht!

Was mich an all diesen Meinungen im Netz am meisten irritiert ist, wie gern viele in diese Hetze gegen die Polizei einstimmen. Wieso fällt es diesen Menschen so viel leichter, an das Böse im Polizisten zu glauben, als an das Gute?

Mir tun alle Beteiligten an diesem Vorfall wahnsinnig leid. Am meisten der betroffene Polizist und seine Familie und Kollegen. Sie alle werden dieses Ereignis bis an das Ende ihres Lebens nicht vergessen können. Ich hoffe sehr, dass sie gut betreut werden.

Natürlich tut mir auch der getötete Mann leid. Hauptsächlich wegen all der Dinge die in seinem Leben schief gelaufen sein müssen, dass sie ihn zu diesen Handlungen getrieben haben.

Mir tun aber auch die Menschen leid, die in den Ereignissen den Beweis dafür gesehen haben, dass es "schießwütige Bullen" gäbe. Wie traurig muss für sie die Welt aussehen, wenn sie nicht einmal mehr in der Polizei etwas Gutes sehen können...

Ist meine Meinung einseitig? Vielleicht! Dafür ist meine Welt aber auch schön...

Matthias Günther

Kriminalbeamter

 

erstellt von Matthias Günther zuletzt verändert: 08.07.2013 08:58
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Marchel, Michael sagt
12.07.2013 21:36
Danke für diesen Kommentar. Besser hätte man es nicht ausdrücken können. Wahrscheinlich lesen ihn doch nur Kollegen und nicht die, die gemeint sind. Aber es tut gut zu lesen, dass man mit seiner Meinung nicht alleine ist.
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