Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Bund Deutscher Kriminalbeamter Bezirksverband Köln
Sektionen
 
Sie sind hier: Startseite Landesverbände Nordrhein-Westfalen Bezirksverbände Köln Aktuelles VIVA - Kunst der Gegenwart
Anmelden


Passwort vergessen?
Benutzername vergessen?
Neuer Benutzer?
 

VIVA - Kunst der Gegenwart

05.04.2019 12:37

Verzweiflung, ungelöste Probleme, Ohnmacht, Überforderung

Das sind nur einige Rückmeldungen die uns erreichen. Wir haben dieses Thema auf dem Schirm und werden nicht müde die Belastungen und zusätzlichen Zeiterfordernisse bei Herrn Jacob und der Direktionsleitung darzustellen.     Wir sehen aber auch, dass die Kolleginnen und Kollegen im VIVA-Büro mit Volldampf an die Probleme herangehen und nach besten Kräften unterstützen.  

Da kommt die folgende ganz besondere Betrachtungsweise eines VIVA-Anwenders genau richtig. Ihr werdet Euch wiederfinden.   

 

Kunst der Gegenwart
Faszination "Abgleichswelten"  

 

Nach dem großen Erfolg Gunter von Hagens Wanderausstellung „Körperwelten“ präsentiert die Polizei NRW nun nach jahrelanger akribischer Vorbereitung die bereits nach kurzer Zeit ähnlich kontrovers diskutierte Ausstellung „Abgleichswelten“. 

Es ist sicher nicht neu: Galten technische Errungenschaften gestern noch als hoffnungsvolle Zuarbeit, so bestimmen sie uns schon heute zu Sklaven des Editors. Einst stand ViVA für die ungebremste Lebenslust, plötzlich handelt es sich um eine Allegorie für Verzweiflung. Dies wird in der neuen Kunstaktion „Abgleichswelten“ deutlich spürbar, in der der Besucher wahrlich in eine bislang völlig unbekannte Welt entführt wird. Über gleich mehrere Anwendungsfälle hinweg begleiten die Exponate den Betrachter in eine unvergessliche Reise durch Registerkarten und Kataloge. Ergänzt werden die Installationen von unzähligen Emails, die über das längst verdokumentierte Hier und Jetzt keine Zweifel mehr aufkommen lassen. 

Die gestalterische Freiheit der Kunstschaffenden eröffnet uns in ihrer Abstraktheit nach und nach tiefe Einblicke in die alltägliche polizeiliche Arbeit. So entstanden elektronische Skulpturen, die an bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Ermittlungsakten erinnern, aus denen einst noch Faktisches und Sinnhaftes zu erkennen war. Beinah unmerklich erhebt sich eine bislang unbekannte Sphäre des Chaos und erschließt dem Betrachter völlig neue Dimensionen der Interpretation: in einer unumstößlichen Metamorphose werden Menschen zu Vorgangsobjekten. 

Entgegen üblicher Ausstellungen sorgen immer wieder überraschende Momente für Erfrischung. Daten, die plötzlich verschwinden, verweisen uns auf einfühlsame Weise auf die Endlichkeit des Seins. In einem beispiellosen dramaturgischen Aufbau spiegelt so die Kunst-Performance das Leben an sich: Kaum hat man den Erfolg vor Augen, schon fällt man unsanft auf den hoffnungslosen Boden der Eingabekonventionen. Plausibilitäten mutieren zur Wahnhaftigkeit, bis uns die Knoten platzen. Und in dem Bemühen, mit der Sache und sich selbst schließlich zu einem versöhnlichen Abschluss zu finden, wird der Besucher endgültig mit seiner anhaltenden Machtlosigkeit im Umgang mit der jedweder Logik entrückten Philosophie des Systems konfrontiert. 

Und genau hier liegt das ungeahnte Geheimnis dieser Ausstellung: Vermeintlich trockene Alltagsthemen entpuppen sich als Chance, wecken in uniformierten Besuchern und müden Ermittlern gleichermaßen lange zugeschüttete Emotionen und führen zu einem inneren Dialog, verleiten zur Wut und Verzweiflung, stellen die Weiche zu einem Zustand des Entstelltseins. Wo kürzlich noch in muffigen Diensträumen Tristesse herrschte, finden Mitarbeiter nun wieder Zugang zu ihrem Innern und wagen Gefühle zu entäußern. Kollektive Ohnmacht hat wieder ihre Berechtigung - begleitet von meditativen Klagegesängen taumeln wir ab in die unendlichen Tiefen der neuen „Abgleichswelten“. 

Die Kunstschau rührt also auf, verstört unerbittlich, bietet aber immer auch den rettenden Anker in Anknüpfungstatsachen, ältere Besucher finden zwischenzeitlich Ruhe in den zahlreichen Liegevermerken. Am Ende des Rundgangs lassen wir sichtlich erschöpft den gesonderten Bereich „Visionen und Kennzahlen“ aus, halten aber noch kurz bei der gelungenen Retrospektive zu den Sehnsüchten nach der „guten alten Zeit“ und staunen über uns selbst. Da ist sie - die stille Liebeserklärung an die mechanische Schreibmaschine. 

erstellt von Bezirksverband Koeln, BDK zuletzt verändert: 05.04.2019 12:37
Artikelaktionen
  • Versenden
  • Drucken
  • Bookmarks