Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Bund Deutscher Kriminalbeamter Bezirksverband Köln
Sektionen
 
Sie sind hier: Startseite Landesverbände Nordrhein-Westfalen Bezirksverbände Köln Blickpunkt Blickpunkt 1/2008 "Was geht ab im Knast"
Anmelden


Passwort vergessen?
Neuer Benutzer?
 

"Was geht ab im Knast"

Von Hans Hülsbeck

Eine Veranstaltung des Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) - Bezirksverband Köln, mit Außen- und Signalwirkung.

12.03.2008, 14:00 Uhr - Erwartungsvolle Stille herrscht unter den ca. 150 Zuhörern, die den Weg in das Forum des Polizeipräsidiums Köln gefunden haben, um informiert zu werden, was denn tatsächlich im Knast abgeht.

Der Vorsitzende des BDK -BV Köln-, Rüdiger Thust, begrüßt die zahlreichen Teilnehmer, unter Ihnen auch der Bundesvorsitzende Klaus Jansen, der mit seiner Anwesenheit die Bedeutung dieser Veranstaltung unterstreicht. Er kommt direkt zum Thema.

Die gerade veröffentlichten Daten und Fakten zur Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) finden in seiner Begrüßungsrede genauso ihren Platz wie die Besorgnis des BDK über die immer weiter steigende Bereitschaft Gewalt anzuwenden.

R. Thust drückt auch sein Bedauern über das Fehlen von angefragten Referenten aus dem Justizministerium bzw. aus Justizvollzugsanstalten aus, zeigt aber Verständnis dafür, dass sie dies ausschließlich mit dem Hinweis auf den noch laufenden Untersuchungsausschuss des NRW-Landtages zum sog. Foltermord von Siegburg begründet haben.

Er übergibt das Wort sodann an Hans Hülsbeck, den stellv. Vorsitzende des BDK- Köln, der die Veranstaltung moderiert und als ersten Referenten Jo Bausch vorstellen darf. Der vielen aus den Kölner Tatorten bekannte "Rechtsmediziner" berichtet aus seinem wirklichen Leben, nämlich seiner langjährigen Tätigkeit als Gefängnisarzt in der JVA Werl, dem Hochsicherheitsgefängnis in NRW.

Endgültig in seinen Bann zieht Jo Bausch seine Zuhörer als er von der GmbH im Knast berichtet. Hierbei handelt es sich natürlich nicht um eine herkömmliche GmbH, sondern dahinter verbirgt sich die Abkürzung für "Gefangene mit besonderer Hilfsbedürftigkeit". Insassen also, die der besonderen Zuwendung seitens der JVA benötigen, um im "Knastalltag" nicht unterzugehen.

Die örtliche Presse berichtet tags darauf mit Schlagzeilen wie "Zustände wie an der Kriegsfront". Gemeint sind die Ausführungen die Jo Bausch zu versuchten Geiselnahmen und der alltäglichen Gewalt in "seiner" JVA macht.

"Es ist halt nicht immer die Seife auf der der Gefangene ausgerutscht ist und bei weitem nicht immer die Stuhllehne gegen die er gestoßen ist".

Einzig und allein Jo Bausch wäre als Referent für mehrere Stunden geeignet, die Teilnehmer zu fesseln. Leider musste er unmittelbar nach seinem Vortrag die Veranstaltung verlassen, um seiner weiteren Profession, der Förderung von Kindern und deren Leseschwächen nachzugehen.

Waren die Zuhörer, unter ihnen Angehörige der Staatsanwaltschaft Köln, zahlreiche Kriminalisten und auch, was besonders erfreulich war, Mitglieder des Wach und Wechseldienstes bei den Ausführungen des Gefängnisarztes bereits "stumm und starr" vor Erstaunen, so sollte sich dies in Entsetzen wandeln, als die nächsten Referenten durch den Moderator vorgestellt wurden und diese von ihren Erlebnissen berichteten.

Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär, die "Kölner Tatortkommissare" und Träger der Ehrenkriminalmarke des BDK", berichten von ihren Eindrücken aus Manila.

Beide waren, unter anderem mit Jo Bausch anlässlich von Dreharbeiten in einem "Jugendgefängnis" auf den Philippinen, dessen Aufbau und Architektur Klaus J. Behrendt er in Verbindung mit den als "give aways" ausgelegten BDK-Ostereiern bringt.

In Manila wurden nämlich noch bis vor kurzem Kinder in Gefängniszellen untergebracht, die Legekäfigen aus der Hühnerhaltung gleichen. Kinder, damals ab dem 9.Lebensjahr, weil die Strafmündigkeit auf den Philippinen derart früh einsetzte. Die Zellen waren ca. 4 qm groß, mit einem Loch als Abort und mit einer 6er bis 8er Belegung.

Als Dietmar Bär von den dort herrschenden Krankheiten spricht " Wenn einer Krätze hat, dann haben sie alle" wird die Betroffenheit im Auditorium greifbar.

Auch hier wird wieder deutlich wie nah Beruf und Berufung an Profession liegen können. So haben Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär mit ihrem Verein Tatort - Straßen der Welt e.V. schon viel erreicht und inszeniert. Unter anderem Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass die Strafmündigkeit auf den Philippinen nunmehr auf ein Alter von 15 Jahren angehoben wurde.

Mit den Worten: "Tu Gutes und sprich darüber" wurde der letzte Referent, Dirk Heinrichs begrüßt. Dirk Heinrichs, ebenfalls als Schauspieler, u. A. durch die für den Grimme Preis nominierte RTL Serie "Die Sitte" bekannt, engagiert sich seit Jahren im Bereich der Gewaltprävention. Er ist Ideengeber und Begründer der Initiative "Sprache gegen Gewalt". Eine Initiative, die zum Programm wurde und bald zum gemeinnützigen Verein wird, wie Dirk Heinrichs erfreut mitteilt.

Dirk Heinrichs spannt auf eindrucksvolle Art und Weise den Bogen seiner Vorredner zurück zur deutschen Realität.

Er berichtet von seinen Initiativen in der JVA Siegburg, wo er eine Gruppe schwerst Krimineller betreut, die, als ein Spiegelbild der Gesellschaft, natürlich eine Gemeinschaft aus mehreren Nationen ist. Stolz berichtet Heinrichs darüber, dass es seit seinem Engagement in der JVA Siegburg zu keinen Gewalttätigkeiten aus dieser Gruppe heraus mehr gekommen ist.

Heinrichs ist jedoch bei weitem nicht nur in den Justizvollzugsanstalten tätig, so besucht er bis zum heutigen Zeitpunkt im Ehrenamt zahlreiche Kölner Schulen und führt hier Projekte zu den Themen Gewaltprävention und Zivilcourage durch.

Heinrichs berichtet von der Verpflichtung zur Authentizität und Verlässlichkeit. Erfahrungen, die er auch in seinem Buch "Da hab ich nur noch Rot gesehen" niedergeschrieben hat.

Als Teil seines Projektes stellt er seinen investigativen und als Experiment gedachten Film, "Leben ohne Freiheit" vor.

Ein ca. 20 min. Werk, in dem ein "Gangmitglied" einer Kölner "Streetgang" als Selbstgesteller in die JVA Siegburg einfährt und sich dort den Gesetzmäßigkeiten des JVA Alltags ausgesetzt sieht.

Ein beeindruckender und gelungener Film, der bei vielen Auftritten von Dirk Heinrichs der willkommene Einstieg in tief gehende Diskussionen ermöglicht. Auch hier wird allen Beteiligten deutlich, dass Dirk Heinrichs als alleiniger Referent ein Abendprogramm füllen könnte. Zahlreiche Fragen aus dem Auditorium beweisen das hohe Maß des Interesses, welches Dirk Heinrichs mit seiner Initiative geweckt hat.

Rüdiger Thust schließlich macht in seinem Schlusswort deutlich, dass zur effektiven Bekämpfung der Gewaltkriminalität "vor und hinter den Gefängnismauern" mehr als schöne Worte und Absichtserklärungen gehören, sondern dass es Taten aus der Politik bedarf. Eine bessere Ausstattung des beteiligten Personals auf der Seite der Justiz und der Polizei und vor allem adäquate Stellenpläne, statt Stellenstreichungen und finanzielle Einbußen werden als deutliche Forderung an die Politik formuliert.

Mit diesen Worten geht ein spannender Nachmittag zu Ende, dem ein weiterer folgen wird, wenn die Ereignisse von Siegburg parlamentarisch aufbereitet und abgearbeitet sind. Schlussendlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär unmittelbar nach der BDK Veranstaltung als Vereinsmitglieder Nr. 1 + 2 dem Verein "Sprache gegen Gewalt" beigetreten sind.

erstellt von BDK zuletzt verändert: 12.08.2010 10:43
Artikelaktionen
  • Versenden
  • Drucken
  • Bookmarks