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Buchtipp: "Da habe ich nur noch rot gesehen"

von Dirk Heinrichs

Bücher über Jugendkriminalität und Jugendgewalt gibt es viele. Die Autoren versuchen, sich dem Phänomen von allen Seiten zu nähern und Schlüsse zu ziehen.Dirk Heinrichs hat die beste Alternative gewählt: Er lässt die Personen zu Wort kommen, die Gewalt ausgeübt oder als Opfer erfahren haben.

In seinem Buch "Da habe ich nur noch rot gesehen" interviewt Dirk Heinrichs junge Gewalttäter, die bereits in einer JVA sitzen oder kurz davor sind, Opfer, Lehrer, Polizisten, Anwälte und Wissenschaftler. So schafft er es, die Gewalt und ihre Erscheinungsformen von allen Seiten zu beleuchten. Dadurch erhält der Leser die einmalige Gelegenheit, den Personen "in die Seele zu blicken".

Die Frage nach dem "Warum" steht hierbei ganz stark im Vordergrund. Dirk Heinrichs hat erkannt, dass man dem Phänomen Gewalt nur mit dieser Frage auf den Grund gehen kann.

"Woher kommt deine Wut?", eine einfache Frage, womit dem Leser ein Tor in eine Welt geöffnet wird, die er selbst noch nicht betreten wollte oder konnte.
Das Buch enthält wertvolle Botschaften sowohl für den Kriminalisten (aus vernehmungstaktischer Sicht) als auch für interessante Bürger und die Politik. Es lässt den Leser verschiedene Herangehensweisen an das Problem "Gewalt" erkennen. Z.B. ist die Verhängung von Haft oder Arrest keinesfalls ein Allheilmittel, so lange man die betroffenen Personen nur "verwahrt" und nicht mit ihnen arbeitet.
Ein Buch, das seinem Leser die Augen öffnet. Überaus empfehlenswert.

Dirk Heinrichs ist Gründer und Geschäftsführer des Vereins "Sprache gegen Gewalt". Er spricht sowohl mit inhaftierten Gewalttätern in der JVA als auch mit problematischen Jugendlichen auf der Straße.

Dirk Heinrichs erfährt bei seinen Gesprächspartnern eine hohe Akzeptanz, da er ihnen oft zum ersten Mal das Gefühl gibt, dass ihnen zugehört wird.
Stefan Hebbel sprach mit Dirk Heinrichs über seine Vereinsarbeit.

Frage: Lieber Dirk, kannst du dich für unsere Leser kurz vorstellen?

Sehr gerne. Geboren bin ich 1965 und begann während der Oberstufenzeit mit dem Theaterspielen. Nach diversen Engagements meldete sich das Fernsehen und Anfang 2000 bot man mir die Rolle des KOK Lenny Winkler in "Die Sitte" an. Ich bin verheiratet und lebe in Köln.

Frage: Was hat dich dazu bewogen, das Projekt "Sprache gegen Gewalt" ins Leben zu rufen?

Das hat tatsächlich viel mit diesem Kommissar zu tun, den ich spielte. Mich inspirierte sein Mut, sich für die Opfer kompromisslos einzusetzen. Außerdem war mir schon immer klar, sollte es mir gelingen Öffentlichkeit mit meinem Beruf zu erzielen, dann muss ich diese positiv einsetzen. So entstand "Sprache gegen Gewalt".

Frage: Jetzt, nachdem du auch einige deiner Erfahrungen und Inhalte von Interviews und Gesprächen in deinem neuen Buch niedergeschrieben hast, wie blickst du in die Zukunft? Welche Ziele hast du dir mit deinem Verein noch gesteckt? Welche Projekte liegen in Zukunft an?

Ich bin tatsächlich, trotz aller Schwierigkeiten überzeugt, dass es gelingen wird, die zunehmende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen und der Gesellschaft per se, aufzuhalten und mehr noch, diese sogar in positive Bahnen lenken zu können. Dafür steht eben auch der neu gegründete Verein "Sprache gegen Gewalt e.V.". Nämlich als ein Zusammenschluss von Menschen, die alle ebenso daran glauben, dass man etwas bewirken kann. Insofern ist der Verein an sich schon Projekt für Zivilcourage und Mitverantwortung.

Ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt, ist der Strafvollzug. Denn dieser produziert in seiner jetzigen Form mehr Täter, als dass er resozialisierend wirkt. Dieser Kreislauf muss im Sinne eines wirklichen Opferschutzes durchbrochen werden.

Frage: Wann dürfen wir dein zweites Buch erwarten?

Ich spiele tatsächlich mit dem Gedanken, ein weiteres Buch in Angriff zu nehmen. Wenn dem so sein wird, dann sollte es eigentlich im nächsten Jahr erscheinen.

erstellt von BDK zuletzt verändert: 12.08.2010 10:43
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