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2. BDK bewegt. Mehr Ermitteln, weniger Verwalten.

06.05.2019 22:47

Über die zunehmende Komplexität des Arbeitsalltags!

2. BDK bewegt. Mehr Ermitteln, weniger Verwalten.

BDK bewegt. Personalratswahl 2019!!

Es ist schon bemerkenswert, wie sich der Arbeitsalltag in den letzten zehn, fünfzehn Jahren verändert hat: Internet 3.0., @rtus 4.1.15., Merlin 5.6.27.20., EDDI 107 (…); die Reihe ließe sich beständig fortsetzen. Nur eine letzte Bastion scheint in alten Verfahrensmustern zu verharren: Sachbearbeitung, Version 1.0. Während sich die Welt um den Sachbearbeiter* weiterdreht, dreht sich der Sachbearbeiter beharrlich weiter um sich selbst. Einzig die Geschwindigkeit seiner Rotation erhöht sich immer weiter, der Tanz des Sachbearbeiters wird fiebriger. Denn er kümmert sich um das, was ihm aufgetragen wird, und das wird nicht weniger:

Bereits vor der Frühbesprechung hat der fleißige Sachbearbeiter sein E-Mail-Postfach nach Mehrwert für seine Arbeit durchforstet und alle 145 E-Mails der letzten zwei Tage geprüft (nicht beantwortet) - es war nichts dabei. Die E-POST aus Baden-Württemberg mit der Darstellung eines Tankbetrugs gab ihm dabei Rätsel ob ihrer Sinnhaftigkeit auf - wieder fünf Minuten verschenkt. Tags zuvor hatte der Sachbearbeiter keine Zeit, sich mit den E-Mails zu befassen, denn er war zum Einsatztraining, sich seine Fähigkeiten im Häuserkampf zumindest auf dem Papier bescheinigen lassen.

Nach der Frühbesprechung geht es dann in die Vollen:

Als erstes eine ED-Behandlung. Nach sechs Monaten des Kümmerns und einer gut ausformulierten schriftlichen ED-Vorladung, ist es endlich soweit. Er ist tatsächlich erschienen! Dem Beschuldigten wird bereits im Vorwege der nun folgenden Prozedur erläutert, dass sämtliche seiner Finger jeweils 20 Mal gescannt werden müssen, damit das System sie als “brauchbar” erfassen kann.

Danach muss der Waffenvorgang angegangen werden: Der Sachbearbeiter hatte bereits die letzten Wochen darauf verwendet, immer wieder zwischendurch mal eine Waffe als Asservat in @rtus zu erfassen. Immer wieder wurde er aber von aktuellen Fällen unterbrochen. Auch war es nicht ganz einfach, die Bilder der Waffen ins System einzuspielen, da die Kollegin mit dem Schleusenrechnerzugang längerfristig erkrankt war und auch niemand das Bitlocker-Passwort des einzigen USB-Sticks der Dienststelle mehr wusste. Das Merkblatt für den Beschuldigten war ohnehin längst wieder gelöscht worden, da der Sachbearbeiter damals in der Eile vergessen hatte, die Standardphrase über den erheblichen polizeilichen Resttatverdacht anzuhängen. Man könnte meinen, er verfasse Merkblätter nur zum Spaß. Nun noch schnell PIAV ausfüllen: irgendwann sind alle Plausibilitäten, die sich dem Sachbearbeiter schon lange nicht mehr erschließen, zur Zufriedenheit des Systems vorhanden und die Meldung kann abgegeben werden. Bleiben noch die regelmäßigen Korrekturen der QM-Dienststelle abzuwarten und umzusetzen, aber das erfolgt dann in einem Abwasch mit denen des PKS-Qualitätsmanagements. Und dann müssen abschließend nur noch alle “Änderungen” im @rtus-System übernommen oder abgelehnt werden, damit die Sache rund ist und -zack- fertig ist der Vorgang. Sollte der Sachbearbeiter nicht noch unerwartet Druckerprobleme bekommen und sich wiederholt die gut gemeinten Ratschläge der Support-Dienststelle anhören oder sollte er nicht noch irgendwelche Möbel fürs Ausbildungskommissariat schleppen und danach deren Verbleib digital dokumentieren müssen, dürfte der Fall neben dem üblichen Tagesgeschäft in ca. einer Woche erledigt sein. Moment, die Waffen, die müssen ja auch noch zur Staatsanwaltschaft. Der Kurier darf sie nicht fahren - muss der Sachbearbeiter wohl doch wieder selbst ran. Ach Mist, das Fach ist schon wieder voll. Ein Hauch von Panik durchdringt den Sachbearbeiter, als ihm wieder einmal klar wird, dass der Haufen auf seinem Tisch nicht kleiner, sondern größer wird und er überdies noch eine Halde an auszuwertenden Funkzellendaten in anderer Sache aufzubereiten und die TÜ in Merlin weiter zu dokumentieren hat. “Ertragen”, denkt er, “aushalten”, doch dann Erleichterung: Ein Glück, morgen ist wieder Bugfix-Tag von 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr. Dann sind der hohen Kunst der Sachbearbeitung einfach mal wieder faktische Grenzen gesetzt - auch wenn alles dann wieder nachgearbeitet werden muss… Passt aber trotzdem ganz gut: der Sachbearbeiter muss den Dienstwagen schließlich noch zum Reifenwechsel fahren. Mit welchem Kürzel ist das eigentlich in SPX zu erfassen?…

In vielerlei Hinsicht stellen die unterschiedlichen Softwares und die darin bzw. damit geregelten Abläufe ein gutes Hilfsmittel für die Arbeit dar, das es zu nutzen gilt. Wenn aber die Verwaltung von Vorgängen die Überhand gewinnt, die Software zum Selbstzweck wird, läuft etwas schief. Gleiches gilt für das Kleinklein an zahlreichen ermittlungsfernen “Das-muss-eben-nur-mal-schnell-erledigt-werden”-Nebenbeiaufgaben. Statt uns regelmäßig in das digitale Korsett zu zwängen und den Sachbearbeiter noch den 100sten Extragang machen zu lassen, um an anderer Stelle auf dem Papier zu sparen, sollte der Dienstherr vielleicht einmal wieder darauf bedacht sein, dass die Ermittler der Dienststellen ihrer eigentlichen Bestimmung nachgehen können: Ermitteln. Wir müssen uns auf diese Kernaufgabe besinnen, um unserem Auftrag, der Sicherung eines beweiskräftigen Strafverfahrens, gewissenhaft nachzukommen. Ohne Erkenntnisse aus Ermittlungen kann auch keine digitale Anwendung sinnhaft geführt werden, geschweige denn zum Täter führen; andersherum jedoch in der heutigen Zeit ebenso wenig. Nur zusammen führt der Weg zum Ziel. Und dafür benötigt der Sachbearbeiter Zeit. Zeit die ihm durch periphere Aufgaben zusätzlich entzogen wird. Hier gilt es, dieses aktuelle Ungleichgewicht zwischen Ermittlungen und digitalen Notwendigkeiten, zwischen Kernaufgabe und allem, was sonst noch zu erledigen ist, wieder zurecht zu rücken.

Lösungsmöglichkeiten könnten beispielsweise in einem zentralen und automatisierten Abfluss von erforderlichen Verfahrensinformationen (ähnlich Viclas), aber auch in der Auslagerung von standardisierten Tätigkeiten (PIAV, Merkblätter, DNA, Funkzellenauswertung, pp.) und Nebenaufgaben in den Bereich von Tarifbeschäftigten liegen. Nebenbei würden so auch hier attraktive Stellen geschaffen werden und das Profil des Arbeitgebers Landespolizei in seiner Gesamtheit geschärft, aufgewertet und konkurrenzfähig gemacht werden.

Es ist endlich Zeit für Sachbearbeitung 2.0.!

Für dieses zukunftsorientierte Modell einer modernen Kriminalpolizei steht der BDK und bemüht sich, dieses Bild auch in die Hausspitze und die Politik hinein zu etablieren.

 

Der Landesvorstand.

erstellt von lv.sh zuletzt verändert: 06.05.2019 22:47
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