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Laudatio für die Knatterton-Ehrenmützenträger 2009

Laudatio für die Knatterton-Ehrenmützenträger 2009

Auch ich möchte Sie ganz herzlich begrüßen. Wie Sie bemerken, ist in diesem Jahr manches anders, als es beim "Knatterton" üblicherweise ist.

Aber vielmehr als zwei Landesvorsitzende erwarten Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, sicherlich mit großer Spannung den heutigen Ehrenmützenträger und fragen sich, wer denn diesmal in die Stellvertreterrolle unseres beliebten Nick Knatterton schlüpfen darf…

Sie werden erstaunt sein, dessen ist sich der BDK-Landesverband Schleswig Holstein sicher.

Sicher deshalb, weil wir mit der diesjährigen Ehrung klar außerhalb des Rahmens der letzten 25 Jahre liegen. Und dafür gibt es gute Gründe.

Um zur Auflösung der spannenden Frage zu kommen, muss ich jedoch ein klein wenig ausholen und zugleich Ihr Vorstellungsvermögen ein wenig strapazieren - was in Vorbereitung unseres genussvollen Essens vielleicht sogar einen gewissen Reiz hat.

Stellen Sie sich also folgendes vor:

 Ein 18-jähriger Schüler mit recht gutem Realschulabschluss tritt etwa 1980 in die Polizei ein.

  • Über verschiedenste Dienststellen im schutzpolizeilichen Bereich verschafft er sich gute bis sehr gute Leistungsnachweise und wird schließlich - wie es damals noch üblich war - nach einem Auswahlverfahren 1991 in die Kriminalpolizei übernommen.
  • Schon drei Jahre vorher, also 1988, hatte der damalige Innenminister Bull die so genannte "zweigeteilte Laufbahn" bei der Kripo in SH politisch anerkannt. 
    Dies bedeutete, dass alle Arbeitsplätze im kriminalpolizeilichen Metier aufgrund ihrer Schwierigkeit den Laufbahnen des gehobenen und höheren Dienstes zugerechnet wurden. Die wenigen Kollegen des mittleren Dienstes in der Kripo sollten sachgerecht eine Möglichkeit des Wechsels in den gehobenen Dienst erhalten
  • Für seine Entscheidung, die damals ebenso mutig wie folgerichtig war, erhielt Minister Bull 1989 (vor - Achtung! - 20 Jahren) die Knatterton-Ehrenmütze.
  • Den Worten folgten auch Taten und so ließ die Landesregierung Anfang 1993 ihre Pressestelle erklären: "Zur Jahrtausendwende sollen alle Beamtinnen und Beamten der Kriminalpolizei dem gehobenen und höheren Dienst angehören.".
  • Einige Jahre wurden diese "Überleitungen" praktiziert und schließlich wurde entschieden, dass hierbei die berufliche Erfahrung als wesentliches Kriterium gilt und insbesondere die Gruppe der noch im mittleren Dienst befindlichen Kriminalistinnen und Kriminalisten generell mit dem 45-igsten Lebensjahr den Schritt in die neue Laufbahn machen können.
  • Und tatsächlich klappte dies jahrelang hervorragend; - das Prinzip war bei Vorgesetzten, Personalvertretungen und Gewerkschaften anerkannt.
  • Aber dann? 
    Unser fleißiger Kriminalhauptmeister und seine knapp 50 Partnerinnen und Partner erfahren im Jahre 2005, (Da sollte es doch schon gar keine mehr geben!) dass die bewährte und folgerichtige Überleitungspraxis beendet werden müsse, da ein Verwaltungsgerichtsurteil zum Thema Laufbahnverlauf dem entgegenstehe.
  • Hierzu muss man allerdings wissen, dass sich besagtes Urteil aber ausschließlich auf ein Laufbahnverlaufs-Modell für die schutzpolizeilichen Kollegen bezogen hatte.
  • Trotz zahlreicher Einwände will unser Arbeitgeber seither von dem speziellen Verfahren für die erfahrenen Kriminalisten leider nichts mehr wissen…Wir würden gern wieder einmal den Mützenträger des Jahres 1989 in dieser Runde begrüßen, um zu erfahren, wie er darüber denkt.

Soweit zum ersten Teil der Geschichte. Ich komme darauf noch einmal zurück.

Zum zweiten Teil der Geschichte gehört eine Vielzahl von Neuerungen, die in den zurückliegenden etwa 15 Jahren die Aus- und Fortbildung sowie die alltägliche Praxis der Kriminalpolizei verändert haben.

  • Digitale Netze, zuvorderst das Internet wurden zu dem Tatmittel der Zukunft - und, wie heißt es so schön, die Zukunft hat begonnen. Ohne die Möglichkeit der Spurensicherung in diesen Netzen lassen sich viele Straftaten schlicht nicht aufklären.

    Der BDK hat mit der Fachtagung heute in Altenholz zum wiederholten Mal auf das Thema hingewiesen.
  • Auch für die Ermittler spielt die Datenverarbeitung eine zunehmend wichtigere Rolle. Denken wir an ein spezielles Fallbearbeitungssystem, das zusammen mit bayerischen Kollegen entwickelt, z. Z. bundesweit Furore macht -  und teilweise völlig neue kriminalistische Herangehensweisen erforderlich machen wird.
  • Das Recht kann im Wettlauf mit der technische Entwicklung nicht mithalten. Die klassischen strafprozessualen Bekämpfungsinstrumente reichen nicht mehr aus, um der neuen Kriminalität effektiv zu begegnen.
  • DNA-Spuren haben den Kriminalisten neue Möglichkeiten eröffnet und gleichzeitig gewohnte Abläufe entscheidend verändert.
  • die Anforderungen an die Polizei insgesamt werden schon alleine durch die so genannte Leistungsverdichtung größer. Die Aufgaben vermehren sich stetig, zusätzliches Personal ist aufgrund der bekannten Haushaltsentwicklungen nicht zu erwarten, die strategische Lücke! - ein anderes Thema

Zugegeben, die materiellen Rahmenbedingungen haben sich stetig verbessert. Einige Jahre sorgte z. B. das KFZ-Leasing dafür, dass der Arbeitsplatz Dienstfahrzeug sich als solcher angemessen präsentieren konnte.

Wie es aussieht stehen wir, was das angeht, gerade vor einem drastischen Rückschritt.

Kann dies aber ein Ausgleich sein für erhebliche Verluste in der Bezahlung?

So werden allen Polizistinnen und Polizisten in SH in den letzten Jahren deutliche Einkommensverluste abverlangt. Die Beteiligung an der Krankenversicherung bei gleichzeitiger Reduzierung bestimmter Leistungen, Streichungen von Zulagen und andere "Kleinigkeiten" - die allerdings ihren traurigen Höhepunkt in der Streichung des Weihnachtsgeldes gefunden haben.

Und dennoch, meine Damen und Herren, können Insider wie Außenstehende faszinieren immer wieder fasziniert eines feststellen:

Die kriminalistische Arbeit wird trotzdem nach wie vor mit Bravour vollbracht! Hervorragende Ermittlungserfolge und die vielfältige Verhinderung von Straftaten bleiben der Regelfall!

Der Innenminister wird Anfang März in der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik sicherlich darauf eingehen.

Warum ist das so?

Ich bitte Sie, meine Damen und Herren, nun wieder gedanklich zu unserem eingangs vorgestellten Kriminalisten zurückzukehren.

Er wartet nun unter diesen ganz speziellen Rahmenbedingungen - kurz vor Erreichen des 47-igsten Lebensjahres - auf die Einlösung eines politischen Versprechens, nämlich die Überleitung in den gehobenen Dienst…und wird jedes Jahr aufs Neue enttäuscht!

Traurige Wahrheit ist, dass nach dem derzeitigen Stand etliche der Kolleginnen und Kollegen ohne die sachgerechte Aufstiegsmöglichkeit in den Ruhestand gehen werden, zumal schon mehrere das fünfzigste Lebensjahr überschritten haben.

Für unseren Kriminalisten und seine 32 Kolleginnen und Kollegen aber gilt:

"Unsere Aufgabe ist wichtig und wir versuchen sie trotz alledem nach besten Möglichkeiten zu erfüllen!"

 

Sie können nicht anders, denn sie sind Kriminalisten mit Leib und Seele!

Sie werden nun verstehen, meine sehr verehrten Damen und Herrn, warum sich der BdK Schleswig-Holstein entschlossen hat, die Knatterton-Ehrenmütze 2009 symbolisch dieser kleinen Gruppe von Kolleginnen und Kollegen zukommen zu lassen.

Sie arbeiten auf Dienststellen im ganzen Land, in BKI-Kommissariaten, auf Kriminalpolizeistellen und im LKA.

Stellvertretend für alle haben wir eine Kriminalistin aus Rendsburg gebeten, die Ehrung entgegenzunehmen. Ich darf Ihnen Ute Seufert vorstellen.

Ute Seufert arbeitet seit vielen Jahren bei der Kriminalpolizeistelle Rendsburg. Die Stadt liegt nicht nur mitten in Schleswig-Holstein, sondern auch mitten in der Kriminalität, die es in unserem Land gibt.

Einbruch und Vergewaltigung, Brandstiftung und Betrug, Raub und Mord, vermisste Kinder und verprügelte Frauen - Alltag einer Kriminalpolizeistelle!

Ute Seufert steht für diese Gruppe von Kriminalisten, die, wie ihre Kollegen im gehobenen Dienst,

  • schwierigste Aufgaben mit Fleiß und Engagement bewältigen.
  • denen die Schicksale der Opfer, immer wieder eine hohe Motivation verleihen.
  • die bereit sind, nachts und am Wochenende ungeplant zum Dienst zu kommen, wenn wieder einmal etwas Schlimmes passiert ist.

Und weil das so ist, genießt sie, wie die anderen hohe Anerkennung bei Kollegen und Vorgesetzten, bei Hilfseinrichtungen, Staatsanwaltschaft und Gericht.

Diese Ehrung ist sehr ungewöhnlich, denn bislang hat der BDK nur sehr selten und jeweils mit ganz besonderer Begründung Kandidaten aus den Reihen der Polizei ausgewählt. Der Blick nach außen war bislang die Regel.

Wir erhoffen uns als BDK-Landesverband, damit ein deutliches Signal in Richtung der Politik zu geben, denn es ist ein politisches Versprechen, dessen Einlösung die Betroffenen nach 20 Jahren zu Recht erwarten.

Gleichzeitig möchten wir das Signal auch in Richtung der Amts- und Behördenleiter senden, von denen fast alle heute hier vertreten sind. Lassen Sie die Kolleginnen und Kollegen nicht allein!
Und nicht zuletzt erhoffen wir uns eine konstruktiv-wohlwollende Begleitung des Themas durch den Hauptpersonalrat und die Gewerkschaft der Polizei, deren Vertreter ja heute auch unter uns weilt!

Frei nach Nick Knatterton -

"Kombiniere: Der BdK hat sich trotz der schwierigen Zeiten etwas dabei gedacht!" 


überlasse ich nun der Mützenträgerin das Wort.

Erwiderung der Mützenträgerin 2009

Erwiderung der Mützenträgerin 2009

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Vielen Dank!

Vor einigen Wochen wurde ich vom BDK gefragt, ob ich bereit dazu wäre, auf dieser Veranstaltung die Nick-Knatterton-Mütze stellvertretend für noch 33 Kollegen/innen des mittleren Dienstes entgegenzunehmen.

Ich habe zugesagt, die Mütze stellvertretend entgegenzunehmen und nutze die Gelegenheit, noch einige Worte hierzu aus meiner Sicht zu sagen.

Zuerst möchte ich sagen, dass ich dem BDK dankbar bin, dass er sich dieser Angelegenheit zum wiederholten Male angenommen hat, da meine betroffenen Kollegen und ich das Gefühl hatten, von den Verantwortlichen vergessen worden zu sein.

Hier wird heute über ein Thema gesprochen, das eigentlich gar kein Thema mehr sein dürfte. Herr Czarnetzki ist eben darauf eingegangen. Die Argumente sind ausgetauscht, die Forderung des BDK nach zweigeteilter Laufbahn bei der Kriminalpolizei ist politisch seit 1988 - seit 21 Jahren! - anerkannt. Es hapert leider nur an der Umsetzung.

Ich möchte hier noch einmal deutlich machen, dass es mir nicht um das Erbetteln einer Beförderung geht, sondern um den sozialen Grundgedanken, dass für gleiche Arbeit gleiche Bezahlung erfolgen sollte.

In der Praxis ist es nämlich so, dass von meinem Vorgesetzten bei der Verteilung von Ermittlungsverfahren keine Einordnung nach Schwierigkeitsgrad vorgenommen wird. Eine solche Einordnung kann auch nicht vorgenommen werden. Es sei denn, mein Vorgesetzter hätte hellseherische Fähigkeiten, denn am Anfang der Ermittlungen weiß niemand, was am Ende dabei herauskommt.

Die Vorgänge werden auf die Sachbearbeiter nach jeweiliger Verfügbarkeit und Lage verteilt. Das bedeutet ganz einfach, dass Kriminalhauptmeister und Hauptmeisterinnen hinsichtlich der Bearbeitung von Ermittlungsverfahren mit Kommissaren, Oberkommissaren und Hauptkommissaren gleichgestellt sind.

Wir - damit meine ich mich und meine betroffenen 33 Kollegen/innen - versehen unseren Dienst nicht "nach Vorschrift". Wir sind trotz der Umstände engagiert, wir kommen zur Dienststelle nach Feierabend und am Wochenende, wenn es die Sache erfordert.

Es geht uns um die Aufklärung von Straftaten hinter denen immer menschliche Schicksale stehen.

Warum das Thema immer noch ein Thema ist, erschließt sich mir nicht so richtig. Fiskalische Gründe können es eigentlich nicht sein.

Ich weiß nicht, ob die heutige Veranstaltung Bewegung in die Sache bringt. Es ist jedenfalls gut, dass unser Berufsverband in dieser Angelegenheit nicht locker lässt.

Wir sind gespannt auf die Lösung dieses Falles und hoffen auf Aufklärung.

Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit.

 

Bilder von der Verleihung

erstellt von BDK zuletzt verändert: 15.08.2010 18:09
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