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Knatterton 2011

Knatterton 2011- das außergewöhnliche Engagement des Bewährungshelfers Karl Rohr

Auch in diesem Jahr ging am Aschermittwoch im Kieler Schloss die traditionelle Suche des BDK Schleswig-Holstein nach einer Persönlichkeit, die sich um die Kriminalitätsbekämpfung verdient gemacht hat, erfolgreich zu Ende.

Verleihung 2011

Das passende Ambiente lieferte das Kieler Schloss und die Stimmung war ausgezeichnet, als sich rund 70 Gäste aus den Reihen von Politik, Justiz und Polizei zur diesjährigen Knattertonveranstaltung einfanden.

Das Rätsel um den diesjährig Ausgezeichneten lüftete dann LKD a. D. Jürgen Sievers, der in einer pointierten Laudatio den Preisträger vorstellte.

Laudatio 2011

 

Nicht jedem der Anwesenden war Karl Rohr zu diesem Zeitpunkt persönlich bekannt und das Bild, das der Laudator von ihm zeichnete, ließ ahnen, dass es sich bei dem heute 70-jährigen pensionierten Bewährungshelfer aus Kiel um einen besonderen Vertreter seiner Zunft handeln muss.

 

Er sei „ein Mensch, der häufig nicht Recht bekam, am Ende aber doch immer Recht hatte“ sagte der Laudator eingangs über Karl Rohr, der sich als Bewährungshelfer früh auf die Arbeit mit Sexualstraftätern spezialisiert hatte. Besonders motiviert wurde er durch den Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern. Stets sei er „konsequent kontrollierend, aber andererseits auch unterstützend“ für seine Probanden da gewesen und habe dadurch ihr Vertrauen erlangt. Dabei habe er sich „nie zum Kumpan der Täter gemacht“ und sich immer als „Helfer und Kontrolleur“ gesehen.

 

Seine Arbeit mit Sexualstraftätern war geprägt von offenen Worten und unmittelbar folgenden Konsequenzen, wenn die Zusammenarbeit scheiterte. Opferschutz stand bei ihm immer ganz oben auf der Prioritätenliste, aber zu seinem Berufsverständnis gehörte auch der enge Kontakt mit den Tätern, die er unterstützte und begleitete. 

 

Karl Rohr beschränkte sich aber nicht auf die teilweise engen Grenzen seines Berufsstandes, sondern versuchte permanent und teilweise „penetrant“, wie es aus dem Justizministerium anerkennend hieß, die Rechtsfortbildung zu beschleunigen. Ein effektiverer Schutz der Opfer von Sexualstraftaten – z.B. durch verbesserten Austausch von Informationen zwischen zuständigen Behörden und der Polizei – war immer ein besonderes Anliegen von ihm.

Dass er sich dabei nicht scheute auch vor den höchsten Stellen aufzutreten, belegt z. B. ein Vorsprechen beim damaligen Abteilungsleiter Polizei und heutigem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, an das in dessen Anwesenheit erinnert wurde. Obwohl Karl Rohrs Forderung nach einem verbesserten Informationsaustausch von Ziercke damals nicht entsprochen werden konnte, realisierte sie sich zumindest teilweise später mit den Regelungen des Kieler Sicherheitskonzeptes Sexualstraftäter (KSKS).

 

Trotz Anfeindungen auch aus den eigenen Reihen verzeichnete Karl Rohr große Erfolge. Er war „Stichwortgeber“ in der Entwicklung des KSKS, sorgte in einem Einzelfall dafür, dass sich ein Täter selbst der Strafverfolgung stellte und die Verantwortung für seine Tat übernahm, verhinderte durch Informationsaustausch zur rechten Zeit einzelne Übergriffe oder war zumindest in der Lage, diese frühzeitig zu unterbrechen. Darüber hinaus schob er mit seiner Initiative das Projekt „Kein Täter werden“ an, das Schleswig-Holstein heute anbietet und das Männern mit pädophilen Neigungen anleitet ihren Neigungen erfolgreich widerstehen zu können.

 

Ein hoch interessanter Mann, über den „Die Zeit“ einst schrieb:

„Er kann sein Gegenüber in Grund und Boden reden, ohne dabei den Faden zu verlieren“.

 

Diese Fähigkeit bewies Herr Rohr in seiner Erwiderungsrede, die vermutlich jeden Zuhörer von der Wahrheit des Zitats überzeugte. Herr Rohr hat tatsächlich ein Redetalent und wirkt dabei vollkommen authentisch und so, als stünde er erst am Anfang einer großen Karriere. Er hat noch immer ein Anliegen, er will seine Überzeugungen jeden hören lassen. „Pädophilie ist nicht zu therapieren, aber die Männer können lernen, den Impulsen zu widerstehen“, sagte Rohr bestimmt. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diesen kranken Menschen Hilfe anzubieten und alles zu unternehmen, um die Gefahren, die von ihnen ausgehen, zu minimieren.

Herr Rohr nutzte die Gelegenheit, wie es von jedem der ihn kannte natürlich erwartet worden war, um die Politik in die Pflicht zu nehmen und mehr Engagement zu fordern.

In Anwesenheit des Innenministers Klaus Schlie regte er nachdrücklich ein Symposium im Innen- und Rechtsausschuss des Landtages an, um mit Fachleuten die Prüfung von Löschfristen zu diskutieren. Es sei unhaltbar, dass bei minder schweren Fällen nach Ablauf der Bewährungszeit automatische Löschung eintrete. Außerdem müsse dringend über die Frage der Rückfallprognose für Täter diskutiert werden. Inbrünstig forderte er die unbürokratische Information z.B. der zuständigen Jugendämter über den Zuzug von gefährlichen Sexualtätern und machte explizit deutlich, dass in Deutschland durch die Verschwiegenheitspflicht dadurch keine amerikanischen Verhältnisse hervorgerufen würden. Der Opferschutz darf nach Rohrs Überzeugung nicht zugunsten des Datenschutzes zurückstehen.

 

Innenminister Schlie griff die Anregung später auf und sagte in seinem Grußwort spontan die Veranstaltung eines solchen Symposiums zu.

 

Zum Schluss seiner Rede appellierte Herr Rohr noch einmal an Politik, Gesellschaft und jeden einzelnen im Bedarfsfall auch einmal unsozial zu sein, sich einzumischen und auf Missstände deutlich hinzuweisen. Er entließ die Zuhörer dann aber mit einer Anekdote zum Schmunzeln: als Bewährungshelfer habe man ihm zu Beginn seiner Tätigkeit die Dienstkennziffer „007“ zugewiesen, woraus er mit einem gesunden Schuss Selbstironie schlussfolgerte, man habe ihm sozusagen selbst die „Lizenz zum Nerven“ eingeräumt.

 

Es war eine verdiente Auszeichnung eines „Vollblut-Sozialarbeiters“, wie ihn die „Kieler Nachrichten“ am 10.03.2011 nannten, und gleichzeitig ein Beispiel für jeden, sich nicht durch Widerstände von einer guten Sache abbringen zu lassen. Womit dann auch wieder klar ist, was Karl Rohr und der BDK gemeinsam haben!

 

Der Landesvorstand

erstellt von Hoelk, Philipp zuletzt verändert: 25.11.2019 00:41
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