BDK-Presseerklärung zur Kriminalitätslage 2025
13.02.2026
Sinkende Zahlen sind kein vollständiges Lagebild!
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Landesverband Hamburg, begrüßt jede positive Entwicklung bei der öffentlichen Sicherheit. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) 2025 sind die registrierten Straftaten in Hamburg um ca. 5 % gesunken. Gleichzeitig wird mit ca. 49,1 % die höchste Aufklärungsquote seit 1997 ausgewiesen. Diese Entwicklung verdient jedoch eine sachliche Einordnung. Die PKS bildet ausschließlich das polizeilich registrierte Hellfeld ab. Nicht erfasst werden das Dunkelfeld nicht angezeigter Straftaten, digitale Täterstrukturen mit unklarem Tatort oder strukturelle Belastungen in der Strafverfolgung.
Wo nicht angezeigt oder kontrolliert wird, entsteht kein Fall in der Statistik – das bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Sicherheit.
Gesetzesänderungen relativieren den Rückgang!
Ein erheblicher Teil des Fallzahlenrückgangs ist auf die Teillegalisierung von Cannabis zurückzuführen. Die allgemeinen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz sanken um ca. 30,3 %. Weniger Strafbarkeit führt zwangsläufig zu weniger registrierten Straftaten – dies ist eine gesetzliche Veränderung, keine kriminalpolitische Trendwende.
Betrug: Inland sinkt, Ausland steigt deutlich!
Während die im Inland registrierten Betrugsdelikte um ca. 6,3 % zurückgingen, stiegen die sogenannten Auslandstaten im Betrugsbereich um 48,5 %. Insgesamt nahmen die Auslandstaten sogar um 44,2 % zu. Rechnet man Inland- und Auslandstaten im Betrugsbereich zusammen, ergibt sich ein Anstieg um 1,7 %. Viele digital begangene Straftaten mit Hamburger Geschädigten erscheinen damit nicht mehr vollständig im Kernbestand der PKS. Für die Betroffenen spielt es keine Rolle, wo der Täter sitzt – ihre Belastung bleibt real.
Aufklärungsquote: Rekordwert mit strukturellem Einfluss!
Mit 49,1 % erreicht die Gesamtaufklärungsquote einen Höchststand. Gleichzeitig liegt der Anteil der Kontrolldelikte bei 24,7 % – einem der höchsten Werte der letzten 20 Jahre. Kontrolldelikte weisen naturgemäß hohe Aufklärungsquoten auf. Veränderungen in der Deliktsstruktur wirken sich daher unmittelbar auf die Gesamtquote aus. Die PKS sagt zudem nichts darüber aus, wie viele „aufgeklärte“ Verfahren später eingestellt werden oder wie stark Justiz und Kriminalpolizei tatsächlich belastet sind.
SKiD-Daten: Ein wichtiger Schritt!
Erstmals wurden Ergebnisse der SKiD-Bürgerbefragung (Sicherheit und Kriminalität in Deutschland) stärker berücksichtigt. Diese Daten erfassen Sicherheitsgefühl, Viktimisierung und Anzeigeverhalten und ermöglichen Einblicke in das Dunkelfeld. Der BDK begrüßt ausdrücklich, dass diese Perspektive einbezogen wird.
Wir erwarten, dass die Befragung trotz angespannter Haushaltslage langfristig gesichert und strategisch genutzt wird.
Fazit: Statistik ist kein vollständiges Sicherheitsbarometer!
Die PKS 2025 weist einen Rückgang der registrierten Straftaten um 5 % aus. Gleichzeitig zeigen sich:
- deutliche Verschiebungen in die Auslandserfassung (+44,2 %)
- starke Effekte durch Gesetzesänderungen (–30,3 % BtM)
- strukturelle Einflüsse auf die Aufklärungsquote (49,1 %)
Die PKS misst polizeiliche Registrierung – nicht die gesamte gesellschaftliche Realität von Kriminalität.
Der BDK fordert daher:
- eine transparente Einordnung der Grenzen der PKS,
- die stärkere Verzahnung von Polizei- und Justizstatistik,
- die dauerhafte Einbindung von Dunkelfeldanalysen,
- sowie eine nachhaltige personelle Stärkung von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft.
Sicherheit entsteht nicht allein durch sinkende Zahlen, sondern durch Struktur, Ressourcen und eine ehrliche sicherheitspolitische Analyse.