Digital ermitteln heißt nicht: digital erledigt!

08.10.2026

Die Digitalisierung eröffnet der Polizei neue Möglichkeiten in der Kriminalitätsbekämpfung. Doch mit neuen technischen Möglichkeiten wachsen auch die Datenmengen und die Anforderungen an diejenigen, die daraus erfolgreiche Ermittlungen machen müssen.

 
Niedersachsen investiert in moderne Technik für die Strafverfolgung. Mit dem gemeinsamen Rechen- und Dienstleistungszentrum für Telekommunikationsüberwachung der norddeutschen Länder steht eine leistungsfähige Infrastruktur zur Verfügung. Daten können schneller, sicherer und länderübergreifend verarbeitet werden.

Das ist richtig und notwendig. Doch bei aller Begeisterung für technische Möglichkeiten darf eines nicht vergessen werden:

Technik ermittelt keine Täter. Menschen tun es.

Messenger, verschlüsselte Kommunikation, Cloud-Speicher, digitale Finanzströme und soziale Netzwerke sind längst Bestandteil zahlreicher Ermittlungsverfahren. Damit wachsen nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern auch die Anforderungen an die Kriminalpolizei.

Ein technisches System kann Daten erfassen und Ermittlungen unterstützen. Es kann aber nicht entscheiden, welche Informationen relevant sind, welche Zusammenhänge bestehen oder welche Ermittlungsmaßnahmen erforderlich sind.

Dafür braucht es kriminalistisches Wissen, Erfahrung und Zeit - Technik braucht Menschen.

Wer moderne Ermittlungsinstrumente schafft, muss gleichzeitig dafür sorgen, dass ausreichend qualifizierte Ermittlerinnen und Ermittler zur Verfügung stehen. Es braucht Spezialistinnen und Spezialisten für Cybercrime, digitale Forensik, Telekommunikationsüberwachung und Finanzermittlungen. Ebenso braucht es erfahrene Kriminalistinnen und Kriminalisten, die digitale Erkenntnisse in den Gesamtkontext eines Ermittlungsverfahrens einordnen können.

Denn ein Gigabyte Daten ist noch kein Ermittlungserfolg, ein voller Datenträger ist noch kein Tatnachweis und eine technische Auswertemöglichkeit ersetzt keine kriminalistische Analyse.

Die Kriminalpolizei muss Schritt halten können.

Der BDK Niedersachsen hat zuletzt auf die hohe Zahl offener Ermittlungsverfahren hingewiesen. Gleichzeitig zeigt die Diskussion über das Dunkelfeld, dass längst nicht jede Straftat bei den Strafverfolgungsbehörden ankommt. Gerade im digitalen Bereich entwickeln sich Tatgelegenheiten und Täterstrategien dynamisch weiter. Die Kriminalpolizei muss deshalb mehr können, mehr wissen und mehr Daten bewerten als jemals zuvor.

Digitalisierung kann die Kriminalpolizei stärker machen – aber nur, wenn sie mit einer entsprechenden personellen und fachlichen Ausstattung einhergeht.

Der BDK Niedersachsen begrüßt Investitionen in moderne Ermittlungsinstrumente. Gleichzeitig gilt: Wer in Technik investiert, muss auch in die Menschen investieren, die diese Technik einsetzen.

Es braucht ausreichend Personal, kontinuierliche Fort- und Weiterbildung, spezialisierte Ermittlungsstrukturen und ausreichend Zeit für kriminalistische Arbeit. Denn am Ende entscheidet nicht die Menge der verfügbaren Daten über den Erfolg eines Ermittlungs-verfahrens. Entscheidend ist, ob es gelingt, aus Daten Beweise zu machen.

Moderne Technik eröffnet neue Möglichkeiten. Nutzen können wir sie aber nur mit einer starken, gut ausgebildeten und ausreichend ausgestatteten Kriminalpolizei.

Technik kann unterstützen, aber Kriminalistinnen und Kriminalisten ermitteln. 
 
 
Stefan Franz
Stellv. Landesvorsitzender
 
 
 
  
PDF
 

Schlagwörter
Niedersachsen
diesen Inhalt herunterladen: PDF