Kriminalpolizei ist kein „Learning by Doing“!
13.08.2026
VeSpE-Kompetenzen dort einsetzen, wo sie gebraucht werden
Mit der Vertiefenden Spezialisierung Ermittlungen (VeSpE) hat die Polizeiakademie Niedersachsen ein Instrument geschaffen, das Studierende gezielt auf kriminalpolizeiliche Aufgaben vorbereitet. Die dort vermittelten kriminalistischen Grundlagen und Ermittlungskompetenzen sind ein wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Kriminalpolizei.
Entscheidend ist jedoch, dass diese Qualifikationen anschließend auch genutzt werden. Wer sich bereits im Studium vertiefend mit Ermittlungsarbeit beschäftigt hat, sollte die Möglichkeit erhalten, seine Kenntnisse in kriminalpolizeilichen Aufgabenbereichen einzubringen und weiterzuentwickeln. Dabei ist klar: Nachwuchs wird in allen Bereichen der Polizei benötigt. Dennoch darf die Kriminalpolizei bei der Personalverteilung nicht regelmäßig ins Hintertreffen geraten.
Wo eine unmittelbare Verwendung in einem kriminalpolizeilichen Bereich nicht möglich ist, sollten alternative Lösungen geprüft werden. Dazu gehören beispielsweise zeitlich befristete Abordnungen oder die gezielte Berücksichtigung bereits qualifizierter Kolleginnen und Kollegen bei späteren Personalmaßnahmen. Vorhandene Qualifikation und erkennbares Interesse an kriminalpolizeilicher Arbeit dürfen nicht ungenutzt bleiben.
Kriminalpolizei braucht mehr als Einarbeitung „nebenbei“
Mit der Versetzung in einen K-Bereich beginnt die eigentliche Entwicklung kriminalpolizeilicher Fachlichkeit erst. Die Bearbeitung komplexer Ermittlungsverfahren, digitaler Spuren, großer Datenmengen und anspruchsvoller rechtlicher Fragestellungen erfordert eine strukturierte und nachhaltige Qualifizierung.
Deshalb brauchen neue Kolleginnen und Kollegen ebenso wie Beschäftigte, die aus anderen Bereichen zur Kriminalpolizei wechseln, verlässliche Einarbeitungskonzepte und fachliche Begleitung. Gute Einarbeitung ist kein Luxus, sondern eine notwendige Investition in Ermittlungsqualität, Professionalität und wirksame Kriminalitätsbekämpfung.
Die Personalverteilung als Chance
Mit der anstehenden Umsetzung der Personalentscheidungen bietet sich die Gelegenheit, vorhandene Qualifikationen gezielt einzusetzen und kriminalpolizeiliche Fachlichkeit nachhaltig zu stärken.
Der BDK Niedersachsen wird aufmerksam verfolgen, inwieweit die kriminalpolizeilichen Bedarfe bei den aktuellen Personalmaßnahmen berücksichtigt werden. Denn eine leistungsfähige Kriminalpolizei entsteht nicht zufällig. Sie braucht qualifizierte Menschen, passende Entwicklungsperspektiven und den Willen, vorhandene Kompetenzen dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen für die Kriminalitätsbekämpfung entfalten.
Stefan Franz
Stellv. Landesvorsitzender
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