Einführung eines Uniformtages in Bayern
30.07.2026
Am 23.07.2026 beschloss der Bayerische Landtag in einer Dringlichkeitssitzung, die Bayerische Staatsregierung aufzufordern, einen Uniformtag einzuführen. Dabei soll es Ehrenamtlichen, aber auch Berufsuniformträgern ermöglicht werden, an einem festgelegten Tag in Uniform zur Arbeit zu kommen. Vorbild hierfür sind entsprechende Tage, wie sie in skandinavischen Ländern, wie Norwegen, Schweden oder Dänemark, bereits eingeführt wurden.
Ziel des Vorhabens ist es, „die Helden des Alltags“ und deren Engagement im gesellschaftlichen Leben sichtbarer zu machen, das Miteinander aller Uniformträger zu stärken und deren allgemeine Wertschätzung zu erhöhen.
Für sich genommen ist dies sicher ein gut gemeinter, aber doch diskussionswürdiger Ansatz. Denken wir an die Zugbegleiter, die angegriffen werden, an Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn, an Rettungskräfte, Angehörige von Feuerwehren und natürlich an unsere Kolleginnen und Kollegen, die bereits zunehmend im Dienst Opfer von Aggression und Gewalt werden.
Sollen sie nun auch im täglichen Umgang zum Ziel von Anfeindungen werden?
Die öffentliche Wahrnehmung von Uniformträgern hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Zunehmende Respektlosigkeit sowie eine steigende Gewaltbereitschaft gegenüber Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sind leider keine Einzelfälle mehr. Das Tragen einer Uniform ist heute keineswegs automatisch mit Respekt und Anerkennung verbunden. Vielmehr kann die Uniform dazu führen, dass ihre Träger gezielt als Repräsentanten staatlicher oder öffentlicher Institutionen wahrgenommen und dadurch zum Ziel von Anfeindungen oder sogar körperlichen Übergriffen werden.
Hinzu kommt, dass die gesellschaftliche Diskussion über den öffentlichen Dienst derzeit zunehmend von Debatten über Beamtenversorgung, Pensionen und die Finanzierung staatlicher Leistungen geprägt ist. Teile der Beamtenschaft sehen sich dabei einer oftmals undifferenzierten Kritik ausgesetzt. Ein verstärktes öffentliches Auftreten von Uniformträgern außerhalb ihres eigentlichen dienstlichen Auftrags birgt die Gefahr, bestehende Vorbehalte oder gesellschaftliche Spannungen zusätzlich zu verstärken und Beschäftigte des öffentlichen Dienstes zu Projektionsflächen allgemeiner Unzufriedenheit zu machen.
Viel wichtiger noch scheint mir aber der Aspekt zu sein, dass sich Wertschätzung, gerade von Angehörigen von Sicherheitsbehörden, doch in guter Personal- und Sachausstattung zeigen muss. Und natürlich in guter Bezahlung. Seit vielen Jahren leisten alle Kolleginnen und Kollegen der Bayerischen Polizei hervorragende Arbeit, was in allen politischen Statements immer wieder betont wird.
Und doch müssen wir eine amtsangemessene Alimentation in langwierigen Verfahren vor Gericht „erstreiten“. Und auch die Übertragung des letzten Tarifergebnisses kommt für unsere Kolleginnen und Kollegen erst mit halbjährlicher Verzögerung.
Daher spricht sich der BDK klar dafür aus, nicht nur auf symbolhafte Zeichen zu setzen, sondern ganz konkrete Maßnahmen zu treffen, wie:
- eine deutliche Stärkung der Personalausstattung an den Basisdienststellen,
- attraktive Arbeits- und Rahmenbedingungen,
- eine leistungsgerechte und wettbewerbsfähige Bezahlung,
- moderne Ausrüstung und Ausstattung sowie
- wirksame Maßnahmen zur Gewinnung und langfristigen Bindung qualifizierter Nachwuchs- und Fachkräfte.
Der BDK Bayern appelliert daher, den Fokus auf strukturelle Verbesserungen und eine nachhaltige Stärkung aller Uniformträger zu legen, anstatt symbolische Maßnahmen einzuführen, die Beschäftigte außerhalb ihres Dienstes einer erhöhten öffentlichen Aufmerksamkeit, zusätzlichen Erwartungen und potenziellen Gefährdungen aussetzen. Echte Wertschätzung zeigt sich nicht durch Aktionstage, sondern durch verlässliche politische Entscheidungen, die Sicherheit, Personalstärke, gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene Vergütung gewährleisten.