Ernst Gennat
07.01.2026
Anlässlich des 100. Geburtstags der Berliner Mordinspektion gibt der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) die Übernahme der Patenschaft für das Grab von Ernst Gennat bekannt. Der BDK Landesverband Berlin würdigt damit das Vermächtnis eines der bedeutendsten deutschen Kriminalisten und setzt zugleich ein bewusstes Zeichen für Erinnerungskultur, berufliche Identität und historische Verantwortung innerhalb der Kriminalpolizei.
Ernst Gennat (1880–1939) war Initiator und erster Leiter der Berliner Mordinspektion. Er gilt als Begründer moderner kriminalistischer Ermittlungsarbeit in Deutschland. In einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und technischer Umbrüche entwickelte er neue methodische Ansätze, die Ermittlungen systematisierten, professionalisierten und auf wissenschaftliche Grundlagen stellten. Dazu gehörten unter anderem die konsequente Sicherung und Auswertung von Tatorten, strukturierte Fallanalysen, die Arbeit mit Täterprofilen sowie die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen innerhalb der Polizei. Seine Ansätze und Begriffe, wie den des „Serienmörders“, prägen die polizeiliche Ermittlungsarbeit bis heute – weit über die Grenzen Berlins hinaus.
Gennats Arbeit war dabei nicht nur von fachlicher Innovationskraft, sondern auch von einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein geleitet. Er trat für sorgfältige, objektive Ermittlungen ein und warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen und öffentlichem Druck. Sein Verständnis von Polizeiarbeit war eng mit rechtsstaatlichen Prinzipien, Professionalität und menschlicher Haltung verbunden – Werte, die auch heute den Kern guter kriminalpolizeilicher Arbeit ausmachen.
Mit der Übernahme der Grabpatenschaft möchte der BDK das Andenken an Ernst Gennat dauerhaft bewahren und seine Bedeutung für die Entwicklung der Kriminalpolizei sichtbar machen. Gerade im Jubiläumsjahr der Mordinspektion soll damit der Blick auf die historischen Wurzeln des Berufs gelenkt werden. Erinnerung an Persönlichkeiten wie Gennat bedeutet zugleich, sich der eigenen fachlichen Tradition bewusst zu sein und aus ihr Orientierung für gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen zu gewinnen.
„Ernst Gennat steht in besonderer Weise für den Anspruch, Kriminalpolizei als hochqualifizierte, verantwortungsvolle und wissenschaftlich fundierte Arbeit zu verstehen. Die Grabpatenschaft ist für uns Ausdruck des Respekts vor seiner Lebensleistung und zugleich Verpflichtung, diese Maßstäbe auch heute und in Zukunft zu verteidigen“, erklärt der Landesvorsitzende Marco Schmidt.
Der BDK versteht die Grabpatenschaft nicht als rückwärtsgewandten Akt, sondern als lebendigen Bestandteil einer professionellen Erinnerungskultur. Sie soll dazu beitragen, Geschichte erfahrbar zu machen, fachliche Vorbilder zu benennen und den Wert qualifizierter kriminalpolizeilicher Arbeit in einer demokratischen Gesellschaft zu unterstreichen.
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Die Grabstelle Ernst Gennats befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf. Die Übernahme der Grabpatenschaft beruht auf einem Beschluss des Landesdelegiertentags 2023 des Bund Deutscher Kriminalbeamter Landesverband Berlin e.V.. Der Patenschaftsvertrag mit dem Friedhofsträger, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, wurde im Jahr 2025 unterzeichnet.