KI, Kriminalität und Rechtsstaat: Herausforderungen für die Kripo von morgen

10.06.2026

Mit dem Thema „Direkteinstieg Kriminalpolizei“ verbindet sich weit mehr als eine Frage der Nachwuchsgewinnung. Es geht um die Zukunftsfähigkeit kriminalpolizeilicher Arbeit in Niedersachsen.

 
Die Anforderungen an moderne Ermittlungen verändern sich rasant – Cybercrime, digitale Spuren, komplexe Finanzermittlungen insbesondere betreffend Kryptowährungen, künstliche Intelligenz, internationale Täterstrukturen und die Auswertung großer Datenmengen prägen den kriminalpolizeilichen Alltag schon heute. Straftaten verlagern sich zunehmend in digitale Räume.
 
Tätergruppierungen nutzen verschlüsselte Kommunikation, automatisierte Angriffsmethoden und inzwischen auch KI-gestützte Werkzeuge, um Betrugsdelikte, Identitätstäuschungen oder Desinformationskampagnen professioneller und schneller umzusetzen. Die Kriminalpolizei muss auf diese Entwicklungen vorbereitet sein.
 
Gerade deshalb braucht die Kriminalpolizei Menschen mit besonderen Fähigkeiten, technischem Verständnis und hoher Motivation für Ermittlungsarbeit. Viele Bewerberinnen und Bewerber interessieren sich gezielt für die Kripo – nicht „irgendwann später“, sondern bereits bei der Bewerbung. Wie in der vergangenen Woche berichtet, haben andere Bundesländer dies längst erkannt und setzen erfolgreich auf Direkteinstiegsmodelle. 1)
 
Niedersachsen darf hier nicht dauerhaft den Anschluss verlieren! 
 
Künstliche Intelligenz wird die Ermittlungsarbeit künftig zusätzlich grundlegend verändern. KI kann Ermittlerinnen und Ermittler bei der Analyse großer Datenmengen, bei Mustererkennung, Auswerteprozessen oder der Verknüpfung komplexer Ermittlungsansätze unterstützen. Gleichzeitig entstehen neue Kriminalitätsfelder: täuschend echte Deepfakes, automatisierte Betrugssysteme oder KI-generierte Inhalte stellen Strafverfolgungsbehörden vor neue Herausforderungen. Moderne Kriminalitätsbekämpfung braucht deshalb nicht nur klassische Ermittlungsarbeit, sondern zunehmend auch digitale und technologische Kompetenz.
 
Wie aktuell und bedeutsam diese Entwicklungen sind, zeigt auch der Landesdelegiertentag des BDK Niedersachsen in der kommenden Woche. Unter dem Leitthema „Effektiver Rechtsstaat im Spannungsfeld zwischen Technik und Ethik“ wird dort intensiv darüber diskutiert, wie moderne Technologien – insbesondere künstliche Intelligenz – die Arbeit von Polizei und Justiz verändern und welche rechtlichen sowie ethischen Rahmenbedingungen hierfür erforderlich sind.
 
Mit hochkarätigen Gästen aus Politik, Wissenschaft, Sicherheitsbehörden und Praxis verspricht die Veranstaltung wichtige Impulse zu setzen für die Zukunft der Kriminalitätsbekämpfung und die Ausgestaltung eines handlungsfähigen Rechtsstaats im digitalen Zeitalter.
 
 
  
Dafür braucht es spezialisierte Fachlichkeit, kontinuierliche Qualifizierung und Kolleginnen und Kollegen, die sich früh mit diesen Themen identifizieren und entwickeln können. Wer die Kriminalpolizei zukunftssicher aufstellen will, muss deshalb auch Ausbildung und Personalgewinnung neu denken.
 
Der Direkteinstieg ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein notwendiger Baustein moderner Polizeiarbeit. Niedersachsen sollte die Chancen nutzen – bevor aus dem Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs ein dauerhafter Standortnachteil wird.
 
Denn die Kriminalpolizei der Zukunft benötigt nicht nur engagierte Ermittlerinnen und Ermittler, sondern auch Expertinnen und Experten, die technologische Entwicklungen verstehen, bewerten und rechtsstaatskonform verantwortungsvoll einsetzen können.
 
 
Stefan Franz
Stellv. Landesvorsitzender

 
 
1) https://www.bdk.de/der-bdk/was-wir-tun/aktuelles/come-to-the-polizei 
 
 
 
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Niedersachsen
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