Organisierte Kriminalität in Niedersachsen: Rückläufige Zahlen sind kein Grund zur Entwarnung

02.11.2026

Am heutigen Montag haben Innenministerin Daniela Behrens und Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann das gemeinsame Lagebild „Organisierte Kriminalität in Niedersachsen 2025“ vorgestellt. Es zeigt aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen, aus denen konkrete politische und strukturelle Konsequenzen folgen müssen.

 

Weniger Verfahren, wachsende Herausforderungen

Zwar sind sowohl die Fallzahlen als auch die Zahl der Tatverdächtigen im Bereich der OK rückläufig, die tatsächlichen Herausforderungen wachsen jedoch weiter. 1) Der Schwerpunkt liegt weiterhin in der Betäubungsmittelkriminalität, insbesondere im Kokainhandel.
 
Gleichzeitig nehmen Gewaltbereitschaft und Brutalität zu. Auch der Einsatz von Waffen im kriminellen Milieu steigt. Auffällig ist, dass die Tatverdächtigen überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.

Eine weitere Herausforderung sind die langen Verfahrensdauern. Verschlüsselte Kommunikation, umfangreiche digitale Datenmengen und internationale Verbindungen machen die Ermittlungen zunehmend komplex und zeitaufwendig.


Kriminelle Strukturen und finanzielle Grundlagen treffen

Organisierte Kriminalität ist mehr als Drogenhandel. Internationale Netzwerke, Geldwäsche und die Nutzung legaler Wirtschaftsstrukturen ermöglichen es Kriminellen, hohe Gewinne zu erzielen und ihren Einfluss auszubauen. 

Deshalb muss das Ziel sein, nicht nur einzelne Straftaten aufzuklären, sondern auch Hinterleute, Strukturen und finanzielle Grundlagen nachhaltig zu zerschlagen.

Besonders kritisch sieht der BDK Niedersachsen, dass bislang nur ein Bruchteil der kriminell erlangten Vermögenswerte abgeschöpft werden konnte. Hier müssen die Anstrengungen und die Wirksamkeit der bestehenden Maßnahmen deutlich verstärkt werden.


Ohne eine starke Kriminalpolizei geht es nicht

Komplexe OK-Verfahren erfordern hoch qualifizierte Ermittlerinnen und Ermittler, spezialisierte Strukturen und ausreichend Zeit. Der BDK Niedersachsen fordert deshalb eine nachhaltige Stärkung der Kriminalpolizei durch ausreichend Personal, gezielte Nachwuchsförderung, spezialisierte Aus- und Fortbildung sowie moderne technische Ausstattung.

Auch die Zusammenarbeit von Polizei, Justiz, Zoll und weiteren Behörden muss konsequent weiterentwickelt werden. Ermittlungserfolge dürfen dabei nicht allein an Fallzahlen gemessen werden, sondern müssen auch die Qualität und Nachhaltigkeit der Ergebnisse berücksichtigen.


Politischer Handlungsbedarf bleibt

Das gemeinsame Lagebild ist eine wichtige Grundlage, um Entwicklungen zu erkennen und Maßnahmen auszurichten. Entscheidend ist jedoch, dass daraus konkrete Verbesserungen folgen. Die zunehmende Gewaltbereitschaft, die komplexen internationalen Ermittlungen und insbesondere die unzureichende Vermögensabschöpfung erfordern eine klare politische Antwort.

Der BDK Niedersachsen erwartet von der Landesregierung, die notwendigen personellen, technischen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen. Die Bekämpfung Organisierter Kriminalität ist keine kurzfristige Schwerpunktmaßnahme, sondern eine dauerhafte Aufgabe.

Wer kriminelle Netzwerke wirksam bekämpfen will, muss ihre Strukturen und finanziellen Grundlagen treffen – und der Kriminalpolizei die dafür notwendigen Mittel geben.

Rückläufige Fallzahlen dürfen nicht über die wachsenden Herausforderungen der Organisierten Kriminalität hinwegtäuschen. Der BDK Niedersachsen fordert deshalb eine konsequente Bekämpfung krimineller Strukturen und ihrer finanziellen Grundlagen sowie eine personell, technisch und organisatorisch nachhaltig gestärkte Kriminalpolizei.
 
 
Stefan Franz
Stellv. Landesvorsitzender
 
 
 
1) https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/lagebild-organisierte-kriminalitat-in-niedersachsen-2025-254939.html  
 
 
 
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Niedersachsen
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