Mehr Anreize für Tarifbeschäftigte

Im Landespolizeipräsidium des Saarlandes leisten Beamt*innen und Tarifbeschäftigte unterschiedlichster Berufsfelder tagtäglich ihren Beitrag zur effizienten Kriminalitätsbekämpfung. Jedoch ist der Mangel an Nachwuchskräften überall spürbar. Gerade im Bereich der Tarifbeschäftigten konkurriert der Öffentliche Dienst mit der freien Wirtschaft. Insbesondere unattraktive Eingruppierungen, fehlende Aufstiegsperspektiven, nicht ausgeschöpfte Potenziale und der mangelnde Respekt vor der Arbeitsleistung tragen dazu bei, dass sich qualifizierte und motivierte Tarifbeschäftigte von der Arbeit bei der Polizei distanzieren.
Offener Brief

Der BDK -Fachbereich Tarif -beschäftigt sich daher mit der Frage:

„Wie kann der „Arbeitgeber Polizei“ für Tarifbeschäftigte attraktiver werden?“

Tarifbeschäftigte sorgen durch ihren Einsatz in vielen Bereichen für eine enorme Entlastung der Beamt*innen. Ihre Tätigkeiten beschränken sich schon lange nicht mehr auf klassische Schreibtätigkeiten oder Archivierungen, sondern erfordern mittlerweile in den meisten Bereichen fundierte ermittlungsrelevante Kenntnisse. Und doch beklagen sich viele der Kolleg*innen über die fehlende Anerkennung ihrer individuellen Leistung.
Aus dem Umstand, dass Tarifbeschäftigte je nach Bedarf zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Einsatzorten platziert werden können, auch um u. U. entstehenden Regressansprüchen vorzubeugen, besteht also kein automatischer Anspruch auf eine mittel- bis langfristige Planung ihres individuellen Arbeitsweges. Diese Unsicherheit schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Tarifbeschäftigten und den betroffenen Dezernaten, die sich auf die Unterstützung der Kolleg*innen verlassen. Dies gilt vor allem für die sogenannten „Ermittlungsassistent*innen“, deren nebulöse Tätigkeitsbeschreibung dem Dienstherrn gewissermaßen einen Freifahrtsschein über deren Verfügung mitgibt.
Außerdem wird berichtet, dass sich Beamt*innen und Vorgesetzte den Tarifbeschäftigten gegenüber, wenn auch vielleicht unbewusst, aufgrund ihrer Position überlegen fühlen. Die Gefahr ist groß, dass Kommunikation und Umgang auf Augenhöhe ausbleibt. Schlecht kommunizierte Anweisungen oder gar Belehrungen demoralisieren und schaden dem Arbeitsklima. Die Zusammenarbeit in den jeweiligen Dezernaten wird dadurch unnötig belastet. Ambitionen werden im Arbeitsalltag von vornherein im Keim erstickt, sobald eine bestimmte Tätigkeit in einer unteren und mittleren Gehaltsgruppe festgesetzt wurde.
Alles in Allem leisten die Tarifbeschäftigten im Landespolizeipräsidium mehr, als dieser Begriff vermuten lässt. In den meisten Fällen bringen sie eine nicht zu verachtende Berufserfahrung mit, die eine wertvolle Ressource für die Tätigkeit bei der Polizei darstellt. Für viele dieser Kolleg*innen existiert nicht einmal eine aussagekräftige Stellenbeschreibung, auf deren Grundlage über Eingruppierungen oder Weiterbildungsmaßnahmen diskutiert werden kann.
Es ist in der Verantwortung den Dienstherrn, auch weiterhin Tarifbeschäftigte zu gewinnen und vor allem zu halten, die die anspruchsvollen Prozesse zur Entlastung der Polizeibeamt*innen wahrnehmen. Dies kann und wird nur gewährleistet werden, wenn unsere Kolleg*innen aus dem Tarifbereich endlich die verdiente Anerkennung für ihre individuelle Arbeitsleistung erfahren. Dafür braucht es nicht zuletzt Wertschätzung, Perspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten!

Der Landesvorstand