Nach Gewalteskalation beim Ostderby: BDK verurteilt geplante Angriffe und fordert ehrliche Aufarbeitung der Einsatztaktik
27.01.2026
Qualität der Gewalt hat neue Dimension erreicht
Die Erkenntnisse, dass es sich nicht um spontane Emotionen, sondern um teils organisierte Hinterhalte handelte – etwa durch das Blockieren von Zugangswegen mittels eines Seils („Langes Tau“) –, belegen eine erschreckende kriminelle Energie.
„Wer Fallen stellt, um Einsatzkräfte daran zu hindern, Verletzten zu helfen oder Straftaten zu unterbinden, handelt menschenverachtend. Wir sprechen hier nicht mehr von ‚Fans‘, sondern von Gewalttätern, die den Fußball als Bühne für schwerste Straftaten missbrauchen“
Peter Alexander Meißner, Landesvorsitzender des BDK Sachsen-Anhalt e.V.
Die Einleitung von Ermittlungsverfahren, teils wegen versuchten Mordes, ist die einzig richtige Konsequenz.
Eine kritische Nachbetrachtung der Einsatzführung ist notwendig.Neben der Verfolgung der Täter fordert der BDK auch eine interne Aufarbeitung der Einsatzplanung. Berichten zufolge setzte die Polizeiführung initial auf eine Strategie der maximalen Deeskalation und Zurückhaltung („Unsichtbarkeit“ der Polizei), indem Kräfte hinter der Nordtribüne vorgehalten wurden, statt Präsenz zu zeigen.
Hierzu stellt der BDK fest:
„Deeskalation ist ein wichtiges Instrument moderner Polizeiarbeit. Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass rechtsfreie Räume entstehen oder die Reaktionszeit der Polizei im Ernstfall zu lang ist. Wenn sich Hinweise verdichten, dass das Konzept der ‚verborgenen Aufstellung‘ dazu beigetragen hat, dass Einsatzkräfte zu spät in den Bereich der Nordtribüne vorrücken konnten, um die Eskalation im Keim zu ersticken, muss dies offen diskutiert werden. Taktische Zurückhaltung darf nicht auf Kosten der Sicherheit der Kollegen und unbeteiligter Zuschauer gehen.“
Es gilt zu klären, ob die Einschätzung der Gefährdungslage im Vorfeld realistisch war und ob der politische oder strategische Wunsch nach „schönen Bildern“ die operative Schlagkraft behindert hat.
Forderungen des BDK:
- Lückenlose Ermittlung: Die „Soko“ und die Kriminalpolizei müssen mit ausreichend Personal ausgestattet werden, um das umfangreiche Videomaterial auszuwerten und die Täter zweifelsfrei zu identifizieren.
- Stadionverbote und Konsequenzen: Der BDK unterstützt die Forderung nach harten Sanktionen gegen identifizierte Gewalttäter. Ob „Geisterspiele“ das richtige Mittel sind, ist abzuwägen, da sie oft die falschen treffen – vielmehr müssen die Vereine stärker in die Pflicht genommen werden, bauliche und organisatorische Sicherheitslücken (wie den Überstieg zwischen Blöcken) zu schließen.
- Evaluierung der Taktik: Für künftige Hochrisikospiele muss das Verhältnis von Deeskalation und robuster Präsenz neu justiert werden.
Der BDK wünscht den über 70 verletzten Kolleginnen und Kollegen sowie allen betroffenen Unbeteiligten eine schnelle und vollständige Genesung.