Terrorgram-Szene – Erste Hellfeldstudie aus Baden-Württemberg

15.01.2026

LKA BW veröffentlicht Studienergebnisse.

13.01.2026

In der Pressekonferenz (PK) am 13.01.206 stellte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg die weltweit erste Hellfeldstudie zu dem Phänomenbereich „Terrorgram-Szene“ vor. Anwesend waren neben LKA-Präsident Andreas Stenger auch der stv. Ministerpräsident und Innenminister des Landes Thomas Strobl (CDU) sowie Leitende Oberstaatsanwältin Gabriele Tilmann von der Generalstaatsanwaltschaft München, einem der Kooperationspartner aus der Justiz.

Für den BDK Baden-Württemberg nahm BDK-Landesvorsitzender Steffen Mayer an der PK teil, um sich einen unmittelbaren Eindruck über die Forschungsergebnisse zu verschaffen – und diese sind auf den Punkt gebracht erschreckend.

Die Ergebnisse haben gezeigt, so Minister Strobl, dass die Radikalisierung dieser sehr jungen Menschen, der Kinder und Jugendlichen, in kürzester Zeit, oft in wenigen Monaten, erfolgt – er bezeichnete dies als „Vom Kinderzimmer direkt zum Terroranschlag“. Teilweise waren Planungen von Terroranschlägen schon so weit fortgeschritten, dass ein besonderer Dank an die Polizei und die Nachrichtendienste angebracht ist, da alle Straftaten noch rechtzeitig verhindert werden konnten.

LKA-Präsident Stenger bestätigte, dass die letzten Durchsuchungsmaßnahmen in diesem Phänomenbereich erst wenige Wochen zurückliegen. Die Ideologien verschwimmen zunehmend, die Tatverdächtigen werden immer jünger. Es hat sich in den letzten Jahren eine regelrechte Fanszene hinsichtlich Terror- und Amokstraftaten entwickelt, die höchstgefährlich ist. Neben der Repression sei es selbstverständlich auch Aufgabe der Polizei, mit Prävention und Ausstiegsprogrammen die Menschen zurückzugewinnen und von ihren Irrwegen abzubringen.

Dr. Köhler aus der Staatsschutz Analyse- und Forschungseinheit (SAFE) des LKA BW (Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum Baden-Württemberg (SAT BW)) stellte im Anschluss die Kernergebnisse vor.

Fragen der anwesenden Presse zielten auf Verbindungen zum sog. Com-Netzwerk oder 764-Netzwerk hin. Hier gibt es personelle und inhaltliche Überschneidungen, wenngleich die Zielrichtungen andere sind – Ideologien und Ziele verschwimmen und überschneiden sich, ein Beleg.

Weiterhin wurde die Frage gestellt, ob es Einflussnahmen von außen auf die Terrorgram-Szene gibt. Zumindest die aktuellen Befunde legen nahe, dass es keine Verbindung zur organisierten neonazistischen Szene gibt, sondern Terrorgram ein Online-Selbstradikalisierung-Phänomen darstellt. Ob es Einflussnahmen von Staaten oder ausländischen Nachrichtendiensten gibt, könne noch nicht abschließend bewertet werden – möglicherweise ein Ansatzpunkt für weitere Studien – jedenfalls ein Auftrag für eine weiterhin aktive Beobachtung aller Phänomenbereich der politisch motivierten Kriminalität.

 

Der Forschungs-Bericht ist veröffentlicht: https://lka.polizei-bw.de/wp-content/uploads/sites/14/2026/01/RZ_SATBW_Bericht_2025_web.pdf

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