Von Österreich lernen – mehr Fachkompetenz endlich auch für Mecklenburg-Vorpommerns Polizei?

01.10.2012

Seit dem Bestehen unseres Berufsverbandes als Vertretung der Kriminalpolizei in Deutschlands Nordosten weisen wir darauf hin, dass kriminalpolizeiliche Standard- und Spezialtätigkeiten nur dann umfassend effektiv und erfolgreich durchgeführt werden können, wenn unsere Kriminalisten auch entsprechend aus- und fortgebildet werden. Und das verlangt eine anerkannte Wissenschaft wie die Kriminalistik einfach.
Von Österreich lernen – mehr Fachkompetenz endlich auch für Mecklenburg-Vorpommerns Polizei?

Der seit gut 20 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern erzeugte Universal- oder Einheitspolizist nutzt unseres Erachtens in Bezug auf die Verhütung und Aufklärung von Straftaten eher nicht dem betroffenen Bürger, sondern mehr dem Täter und den konsequenten Verfechtern der Einheitsausbildung im Innenministerium. Wer, unverschuldet, als Polizist Fehler in der kriminalpolizeilichen Sachbearbeitung begeht, nur weil er auf diese Herausforderungen nicht wissenschaftlich und theoretisch vorbereitet wird, muss sich keine Vorwürfe gefallen lassen, erfüllt aber leider die Anforderungen nicht. Dafür ist er dann jedoch auf anderen Dienstposten irgendeiner Polizeisparte - mit dem gleichen fehlenden Spezialstandard - einsetzbar.

Gegenwärtig geht der Trend der Universalausbildung sogar in Richtung der Sparte Bereitschaftspolizei, da alle Absolventen einer Polizeiausbildung in unserem Bundesland zunächst ihren Dienst im Landesbereitschaftspolizeiamt verrichten müssen, weil die Offiziellen im Ministerium diese Verwendung favorisieren. Der BDK erkennt die Wichtigkeit und Gleichrangigkeit der Polizeisparten Schutz-, Wasserschutz-, Bereitschafts- und Kriminalpolizei an, aber Gleichrangigkeit kann nicht gleiche Ausbildung bedeuten. In den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten ist der Mensch bestrebt, seine Leistungen durch Spezialisierung zu erhöhen, doch etliche deutsche Innenministerien verweigern sich dieser gesellschaftlichen Notwendigkeit.

Und jetzt kommt uns ein Kollege aus Österreich zu Hilfe.

Der geneigte Leser kann im aktuellen Polizeijournal 3-2012 auf den Seiten 22 und 23 nachlesen, was Dr. Thomas Müller aus dem Bundesministerium des Innern der Republik Österreich zum Thema „Mord im Focus“ referierte. Doch nicht auf die fachliche Darbietung soll hingewiesen werden, sondern auf das Schlusswort:

Als Fazit zog der Referent, dass die Straftatenaufklärung immer einen interdisziplinären Ansatz erfordere, vor allem forensische Psychiatrie, Rechtsmedizin, Kriminalpsychologie und Kriminalistik. Nicht eine Wissenschaft allein kann hier hervorgehoben werden, es ist das Zusammenspiel, das System, auf das es ankomme. Ein derartiges Vorgehen erfordere von den Kriminalisten ein breites Wissen, was nur in einer spezialisierten Ausbildung erworben werden könne. Ein Einheitspolizist ist mit dieser notwendigen Tiefe überfordert. Es würde gegebenenfalls zu Lasten der anderen Spezialisierungen gehen. Der Idealfall wäre das Studium an einer Universität oder Hochschule. Dem bleibt nichts hinzuzufügen!“

Quelle: Polizeijournal 3-2012


Auch uns bleibt nichts hinzuzufügen.