Wortbeitrag der BDK Landesvorsitzenden zur Personalversammlung im LKA BB

03.02.2023

... anlässlich der Personalversammlung im Landeskriminalamt Brandenburg, sprach unter anderem die Landesvorsitzende des Bund Deutscher Kriminalbeamter des Landesverbandes Brandenburg vor den Kolleginnen und Kollegen des LKA. Den Redebeitrag möchten wir gern allen unseren Mitgliedern und interessierten Bediensteten des Landes zur Verfügung stellen...
Akten

"Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

seit einigen Tagen wird in der öffentlichen Debatte viel über den bisher größten Durchbruch im Bereich der Künstlichen Intelligenz berichtet - ChatGPT ist das Stichwort: ein von Algorithmen gesteuerter ChatBot, der mehrsprachig auf höchstem Niveau textbasiert und intelligent mit uns kommunizieren kann und ich habe mich gefragt, wie lange wird es dauern, bis diese Technologie auch für die Arbeit der Kriminalpolizei sinnvoll und effektiv eingesetzt werden kann. Lasst uns jetzt einfach mal ein kleines Experiment starten. Teile meiner Rede habe ich nämlich von dieser Künstlichen Intelligenz schreiben lassen und ich bin gespannt ob ihr herausfindet, welcher Teil das ist. 

Als 1968 der Bund Deutscher Kriminalbeamter ins Leben gerufen wurde, gab es dafür gute Gründe. Kriminalbeamtinnen und -beamte waren nicht nur in den Dienstbereichen eine Minderheit, sie hatten im Ergebnis dadurch auch keine angemessene Berufsvertretung. Der geschulte Blick auf die kriminalpolizeilich relevanten Themen hatte keine angemessene Stimme gegenüber Polizeiführungen und Politik.

Mit uns bekommen die spezifischen Belange der K genau diese Stimme! 

Denn wir alle wissen:  Kriminalitätsbekämpfung ist dann am effektivsten, wenn sie auf eine in sich schlüssige und gut geplante Strategie abzielt, eine Strategie, die sowohl präventive als auch repressive Ansätze umfasst. Und besonders wirksam greifen diese Ansätze dann, wenn sie im Kern darauf abzielen, dass Kriminalität gar nicht erst entsteht - deviantes Verhalten also rechtzeitig richtig bewertet wird und ein perfekt orchestriertes Zusammenspiel zwischen Polizei, Staatsanwaltschaften und der Justiz gelebt wird.


Dafür benötigen wir eine fachlich versierte und personell gut ausgestattete Kriminalpolizei in der unsere Kolleginnen und Kollegen sich vom Beginn ihrer Zugehörigkeit zur Polizei an gut für die Kriminalitätsbekämpfung ausgebildet fühlen und sich im Verlauf ihres Berufslebens kontinuierlich weiterbilden können.


Das Problem das wir als BDK sehen, ist, dass das Wort "Kriminalitätsbekämpfung" innerhalb unserer Landespolizei kaum eine Rolle zu spielen scheint.

Der Kampf gegen die sogenannte Hasskriminalität, insbesondere im Internet, wird uns immer stärker einbinden, Sachverhalte werden in zunehmender Zahl gefahrenabwehrende Tätigkeiten von der Kriminalpolizei fordern und zwar nicht allein im physischen Kontakt, sondern vor allem im digitalen Raum. Europäische und internationale Zusammenarbeit wird sich auf weite Teile der kriminalpolizeilichen Aufgabenfelder ausweiten. Die Kompetenzfelder des Datenmanagements und der Datenanalyse wachsen zu Kernkompetenzen der kriminalpolizeilichen Berufsbilder an.

Das materielle Strafrecht hat sich in vielen Teilen maßgeblich weiterentwickelt. Regelmäßige Fortentwicklungen gibt es auch in den Bereichen

  • des Strafprozessrechts,
  • des Gefahrenabwehrrechts,
  • des Verwaltungsrechts,
  • des Geldwäschegesetzes,
  • des Netzwerkdurchsuchungsgesetzes,
  • des Telekommunikationsgesetzes, und so weiter

Und das alles sollen unsere Kolleginnen und Kollegen, neben den kriminalpolizeilichen Grundkompetenzen, auch noch mal so nebenbei in Fortbildungen vermittelt bekommen. Das funktioniert so nicht!


Wir müssen außerdem endlich anfangen, auch in Brandenburg wieder den direkten Weg in die Kripo zu ermöglichen. Und, davon unabhängig, den Bereich “Data Science“  abzulösen, und operative, taktische und administrative Datenanalyse zusammenzudenken, um die Sachbearbeitung von diesen Aufgaben zu entlasten. Es kann nicht sein, dass von unseren Kolleginnen und Kollegen ernsthaft erwartet wird, in ihren laufenden Ermittlungsverfahren noch so "nebenbei" Auswertungen von unstrukturierten Daten und Analysen durchführen sollen. Deshalb bekennen wir uns als BDK zum von der Forschungsstelle Kriminologie des LKA Hamburg entwickelten "Berufsbild Kriminalitätsanalytiker" - ein Berufsbild, dass sich insbesondere aus Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Data Science zusammensetzen muss. Das sind die Leute die wir brauchen! Die bekommen wir aber nicht mit E11…

Generell muss, denke ich, allen in der Behördenleitung klar sein, dass im LKA aufgrund des Expertenwissens, aufgrund der herausragenden Stellung der Behörde, des Spezialisierungsgrades der Kolleginnen und Kollegen immer ein im Vergleich zu den Polizeidirektionen hoher Bedarf an höher bewerteten Stellen bestehen wird. Wer hat sich denn bitte ausgedacht, dass ein LKA mit den Polizeidirektionen über die paritätische Verteilung von Beförderungen verhandeln muss?


Wir stehen hochprofessionellen Täterprofilen gegenüber, die technisch immer auf dem aktuellen Stand sind, die in der Regel mehrsprachig sind und die sich im höchsten Maß international vernetzen. Was haben wir denen entgegenzusetzen? - Aus unserer Sicht noch zu viel anekdotische und wenig systematisch ausgebildete und verankerte Expertise.


Die Arbeit der Kriminalpolizei in Brandenburg muss endlich wieder lukrativ werden! Das muss sich auch darin widerspiegeln, überhaupt eine berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeit innerhalb der Kriminalpolizei zu haben. Besmtinnen, Beamte füllen teilweise lange Jahre ihres Berufslebens hindurch 13-er Stellen fachlich aus, und trotzdem werden sie bis zum Eintritt in die Pension nicht entsprechend alimentiert. Hier besteht Handlungsbedarf bei seitens der Behördenleitung.

Wir brauchen euch und wir erwarten, dass eure Arbeit wertgeschätzt wird. Ihr seid diejenigen, die einzelne Fälle monatelang manchmal jahrelang mit nach Hause nehmen, ohne die grundsätzliche Ausbildung mitunter sehr besondere Situationen meistern und ertragen müsst - und das alles ohne viel Publikum, ohne großes Tamtam, und ohne atemberaubende Bilder zu liefern.

Ihr setzt ruhig und überlegt die Puzzleteile zusammen, die am Ende Straftäter überführen und Verbrechen aufklären. Euer Applaus ist der gelöste Fall, im besten Fall die rechtskräftige Verurteilung. Für uns seid ihr die stillen Helden dieser Polizei und ich erwarte von der Behördenleitung und der Politik, dass sie eure Arbeit besser würdigen.

Ganz am Anfang hatte ich euch erzählt, dass ich Teile meines Wortbeitrages von einer künstlichen Intelligenz habe schreiben lassen. Ich verrate es euch, es war der Teil zum Thema: "Wann ist Kriminalitätsbekämpfung besonders effektiv".

Der Text, den der chatbot geliefert hat, war grundsätzlich gut strukturiert, aber an der spezifischen Ausformulierung musste ich noch arbeiten und das zeigt uns, dass die Arbeit mit Künstlicher Intelligenz, trotz dieses unglaublichen Durchbruchs, auch weiterhin mit gesunder Skepsis zu betrachten ist. ABER: Skepsis heißt nicht Ablehnung und  menschliche Qualitätssicherung wird weiterhin immens wichtig sein. Lasst uns also skeptisch, neugierig und offen sein. 

Und eine Sache will ich unbedingt noch loswerden: Wir konnten uns als BDK maßgeblich mit in die Ausgestaltung des Gesetzes zur Landespolizeibeauftragten mit einbringen. Nach nur einem Jahr im Amt können wir uns auf die Fahnen schreiben, dass die neue oder der neue Landespolizeibeauftragte maßgeblich nach Regeln handeln wird, die eindeutig unsere Handschrift mittragen. Darauf sind wir stolz.

Wir sind ebenfalls sehr stolz, dass wir so stark im LKA vertreten sind.

Wir haben ein starkes Team hier, und wir sind für euch da.


Lasst uns also weiterhin innovativ sein, und lasst uns weiterhin die Arbeit der Kriminalpolizei im Land Brandenburg voran bringen - gemeinsam im und mit dem BDK!“