Jünger, digitaler, vielschichtiger – PMK-Statistik 2025
16.04.2026
Ein Rückgang politisch motivierter Straftaten wirkt auf den ersten Blick erfreulich. Im längerfristigen Vergleich relativiert sich dieser Eindruck jedoch deutlich: Mit 5.443 registrierten Fällen bleibt das Jahr 2025 auf dem zweithöchsten Stand seit 2001.
Gleichzeitig bestätigen sich zentrale Entwicklungen der vergangenen Jahre sowie die Beobachtungen aus der polizeilichen Praxis: Tatbegehungen verlagern sich zunehmend in digitale Räume, und die Tatverdächtigen werden jünger. Diese Entwicklung ist aus fachlicher Sicht alarmierend. Der Landesvorsitzende des BDK Brandenburg, Christoph Wenzlaff, erklärte hierzu am Rande der heutigen Pressekonferenz:
„Aus unserer Sicht greift es zu kurz, dieser Entwicklung primär mit mehr sichtbarer Polizeipräsenz begegnen zu wollen. Die Zahlen zeigen vielmehr, dass insbesondere Ermittlungsqualität, digitale Auswertungskompetenz und Analysefähigkeit der Sicherheitsbehörden weiter gestärkt werden müssen. Gerade im Bereich internetbasierter Radikalisierung besteht erheblicher Anpassungsbedarf. Straftaten entstehen, verbreiten sich und eskalieren zunehmend in sozialen Netzwerken und digitalen Kommunikationsräumen. Dafür braucht die Kriminalpolizei nicht nur Technik, sondern vor allem hochqualifizierte und spezialisierte Ermittlerinnen und Ermittler.“
Vor diesem Hintergrund bekräftigt der BDK Brandenburg erneut seine Forderung nach der Einführung eines eigenständigen kriminalpolizeilichen Studiengangs. Ziel muss es sein, digitale Ermittlungsarbeit, Analysekompetenz und phänomenbezogenes Fachwissen frühzeitig, strukturiert und mit ausreichender Tiefe in der Ausbildung zu verankern.
Einige der im Zusammenhang mit der heutigen Statistik diskutierten kriminalpolitischen Ansätze bewertet der BDK differenziert. Pauschale Forderungen wie eine Absenkung der Strafmündigkeit greifen aus unserer Sicht zu kurz und bergen die Gefahr von Scheinlösungen, die die eigentlichen Problemlagen nicht adressieren. Wirksamkeit entsteht nicht allein durch Strafverschärfungen, sondern durch tragfähige Präventionsstrukturen. Christoph Wenzlaff betonte hierzu:
„Prävention und Bildung bleiben ein zentraler Bestandteil der Bekämpfung politisch motivierter Kriminalität. Entscheidend ist, dass sie frühzeitig, zielgerichtet und im engen Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Akteure erfolgt. Nur durch die Kooperation von Schule, Sozialarbeit, Polizei, Justiz und freien Trägern kann eine stabile und risikoarme Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gelingen.“
Abschließend bleibt festzuhalten: Es braucht stabile Ressourcen, verlässliche Personalplanung und eine klare strategische Ausrichtung. Eine wirksame Gesamtstrategie muss Prävention, Repression und insbesondere die Qualität der Ermittlungsarbeit gleichermaßen berücksichtigen. Politisch motivierte Kriminalität lässt sich nicht allein durch Präsenz bewältigen – entscheidend ist, dass wir Täter identifizieren, Netzwerke aufhellen und Radikalisierungsprozesse frühzeitig erkennen.