PKS 2025: Wichtiger Indikator - aber kein vollständiges Bild der Kriminalität
16.03.2026
Die jährlich veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist ein wichtiges Instrument zur Beobachtung der polizeilich registrierten Kriminalität in Niedersachsen. Sie zeigt Entwicklungen einzelner Deliktsbereiche auf und dient als Grundlage kriminalpolitischer Diskussionen. 1)
Gleichzeitig bildet die PKS nicht die gesamte Kriminalitätslage ab, sondern ausschließlich Straftaten, die der Polizei bekannt geworden sind. Sie stellt damit lediglich das sogenannte Hellfeld der Kriminalität dar. Aussagen über die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung sind daher nur eingeschränkt möglich.
Auch Vergleiche über mehrere Jahre müssen differenziert betrachtet werden, da Veränderungen der Fallzahlen unter anderem durch eine veränderte Anzeigebereitschaft der Bevölkerung, polizeiliche Kontrollschwerpunkte, gesetzliche Änderungen oder Änderungen bei der statistischen Erfassung beeinflusst werden können. Die PKS ist daher ein wichtiger Indikator, aber kein vollständiges Lagebild der Kriminalität.
Für eine realistische Bewertung der Sicherheitslage sind ergänzende Dunkelfeldstudien, Opferbefragungen und wissenschaftliche Analysen notwendig. Statistische Entwicklungen müssen entsprechend differenziert bewertet werden.
Bewertung aus Sicht der Kriminalpolizei
Der Landesverband Niedersachsen des Bund Deutscher Kriminalbeamter weist seit Jahren darauf hin, dass die Aussagekraft der PKS häufig überschätzt wird. Politische Bewertungen reduzieren sich zu oft auf einzelne statistische Entwicklungen.
Eine sachgerechte Einordnung muss neben den Grenzen der PKS auch das Dunkelfeld, strukturelle Veränderungen der Kriminalität sowie die Ressourcen und Arbeitsbedingungen der Ermittlungsbehörden berücksichtigen.
Kriminalität entwickelt sich zunehmend komplexer, internationaler und digitaler. Die Herausforderungen für Ermittlungen gehen daher weit über das hinaus, was sich allein aus statistischen Fallzahlen ableiten lässt.
Herausforderungen für die Kriminalpolizei
Die Kriminalpolizei in Niedersachsen steht vor erheblichen Herausforderungen. In den kommenden Jahren werden viele erfahrene Ermittlerinnen und Ermittler altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an kriminalpolizeiliche Ermittlungen.
Besonders dynamisch entwickeln sich unter anderem die Bereiche Cyberkriminalität, organisierte Kriminalität, international agierende Täterstrukturen, komplexe Betrugsformen und digitale Tatbegehungen.
Diese Entwicklungen erfordern spezialisierte Ermittlungsarbeit, moderne technische Ausstattung sowie kontinuierliche Aus- und Fortbildung.
Notwendige Maßnahmen
Aus kriminalpolizeilicher Sicht sind daher insbesondere
Ø nachhaltige personelle Stärkung der Kriminalpolizei
Ø Transfer von Erfahrungs- und Fachwissen an Nachwuchskräfte
Ø Ausbau kriminalpolizeilicher Spezialisierung – insbesondere in den Bereichen Cyber- und Wirtschaftskriminalität
Ø moderne technische Ausstattung
Ø leistungsfähige IT-Strukturen
sowie eine stärkere wissenschaftliche Begleitforschung erforderlich.
Fazit
Die PKS bleibt ein wichtiges Instrument zur Beobachtung der Kriminalitätsentwicklung. Ihre Aussagekraft darf jedoch nicht überschätzt werden. Eine realistische Bewertung der Sicherheitslage erfordert stets die Einbeziehung des Dunkelfeldes sowie struktureller Entwicklungen der Kriminalität. Das neue Rahmenkonzept Früherkennung- und Bedrohungsmanagement (FEBM) bietet gute Ansätze - allerdings mit zusätzlicher Arbeitsbelastung.
Entscheidend: Rahmenbedingungen für eine leistungsfähige Kriminalpolizei, um den wachsenden Herausforderungen in der Kriminalitätsbekämpfung wirksam begegnen zu können!
Stefan Franz
Stellv. Landesvorsitzender