Pionierin der deutschen Femizidforschung: BDK Schleswig-Holstein zeichnet Dr. Kristi-na Wolff mit der Knatterton-Ehrenmütze aus

13.06.2026

Mit dem Aufbau der ersten bundesweiten Femizid-Datenbank hat Dr. Kristina Wolff ein Forschungsfeld geprägt, das heute wichtige Impulse für Prävention, Opferschutz und die kriminal-politische Debatte liefert. Für ihre außergewöhnlichen Ver-dienste um die Sichtbarmachung geschlechtsspezifischer Ge-walt gegen Frauen wurde sie in Kiel am 10.06.2026 vom BDK ausgezeichnet.
Knattertonpreisträgerin Dr. Kristina Wolff und stellv. Landesvorsitzende Birte Diethelm

Trotz des beklemmenden Themas war die Stimmung im Bootshaus an der Kieler Förde ausgesprochen gut. Nach den Grußworten von unserem Landesvorsitzenden Frank Ziegler, dem Bundesvorsitzenden Dirk Peglow und vom Leiter der Polizeiabteilung Ingo Minnerop brachte unsere stellvertretende Vorsitzende Birte Diethelm vor den Gästen, die wie gewohnt u.a. aus Politik, Staatsanwaltschaften und Polizei zu uns gekommen waren, die herausragenden Leistungen der diesjährigen Preisträgerin in ihrer Laudatio eindrucksvoll auf den Punkt. Frau Dr. Wolff zeigte sich so hoch erfreut über die Auszeichnung, 

dass der Funke sofort übersprang und sie sich ihrerseits mit einem Präsent an die Laudatorin bedankte. Mit stehenden Ovationen wurde Fr. Dr. Wolff nach der Preisübergabe bedacht. Eines sei vorweg verraten: Die Knatterton-Ehrenmütze setzte sie den ganzen Abend nicht mehr ab.

Aber nun zu den beindruckenden Verdiensten von Dr. Kristina Wolff:

Die Wissenschaftlerin und Frauenrechtsaktivistin hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der profiliertesten Stimmen der deutschen Femizidforschung entwickelt. Ihr Name ist untrennbar mit dem Bemühen verbunden, geschlechtsspezifische Tötungsdelikte an Frauen sichtbar zu machen, systematisch zu erfassen und wissenschaftlich auszuwerten. Wenn in der Polizeiarbeit von Prävention gesprochen wird, geht es immer auch um die Fähigkeit, Risiken frühzeitig zu erkennen. Dafür braucht es Wissen, belastbare Daten und die Bereitschaft, gesellschaftliche Entwicklungen genau zu analysieren. Genau hier setzt die Arbeit von Dr. Kristina Wolff an.

Ausgelöst durch die öffentliche Debatte über frauenfeindliche Äußerungen eines Politikers initiierte Dr. Wolff 2018 die Petition „#WorteSchaffenWerte“, die innerhalb weniger Wochen von rund 40.000 Menschen unterstützt wurde. Bereits damals wurde deutlich, was ihre Arbeit bis heute prägt: die Überzeugung, dass Worte gesellschaftliche Wirklichkeit formen und dass Diskriminierung und Gewalt klar benannt werden müssen. Mit der Anfang 2019 gestarteten Petition „#saveXX“ weitete sie ihren Blick auf ein Problem, das in Deutschland lange nicht ausreichend wahrgenommen wurde: die Tötung von Frauen aufgrund geschlechtsspezifischer Motive. Die Petition forderte unter anderem eine bessere Datenerhebung, mehr Transparenz und stärkere Präventionsmaßnahmen. Mehr als 200.000 Unterstützerinnen und Unterstützer schlossen sich diesem Anliegen an.

Bemerkenswert ist, dass Dr. Wolff nicht lediglich politische Forderungen formulierte. Sie entschied sich vielmehr für einen grundlegenden beruflichen Neuanfang, ließ eine akademische Karriere als Professorin hinter sich und begann, eine wissenschaftliche Grundlage für die Diskussion zu schaffen. In einer Zeit, in der es in Deutschland keine systematische und umfassende Erfassung von Femiziden gab, recherchierte, dokumentierte und analysierte sie Fälle eigenständig. 2019 gründete sie das Femicide Observation Center Germany (F.O.C.G.) und schuf damit die erste bundesweite und bis heute umfassendste Datensammlung zu Femiziden in Deutschland. Die Datenbank basiert auf eineraufwendigen Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen, darunter Presseberichte, Gerichtsberichterstattungen und behördliche Informationen.

Der besondere Wert dieser Arbeit liegt nicht allein in der Dokumentation einzelner Fälle. Durch die systematische Auswertung werden wiederkehrende Muster sichtbar: Täter-Opfer-Beziehungen, Trennungssituationen, Bedrohungslagen, Eskalationsverläufe und weitere Risikofaktoren. Damit entstehen Erkenntnisse, die für die Prävention schwerster Gewalttaten von erheblicher Bedeutung sind. Gerade aus kriminalpolizeilicher Sicht ist dieser Beitrag bemerkenswert. Denn wirksame Gefahrenabwehr und erfolgreicher Opferschutz setzen voraus, dass Risikokonstellationen erkannt und bewertet werden können. Die Forschung von Dr. Wolff hat hier die Diskussion über Femizide in Deutschland nachhaltig beeinflusst und auf eine deutlich fundiertere Grundlage gestellt.

Ihre Erkenntnisse fanden sowohl national als auch international Beachtung. Mit Fachvorträgen, Veröffentlichungen und wissenschaftlichen Analysen machte sie die Ergebnisse ihrer Arbeit einem breiten Publikum zugänglich. Einen weiteren Meilenstein stellte die Veröffentlichung ihres Buches „Wie viele noch? Deutschlands gebilligte Femizide“ im Jahr 2025 dar. Darin bündelt sie die Erkenntnisse jahrelanger Recherche und macht die strukturellen Hintergründe geschlechtsspezifischer Gewalt für Fachwelt und Öffentlichkeit gleichermaßen nachvollziehbar. Dr. Wolff fordert dabei nicht nur eine präzisere Erfassung von Femiziden, sondern auch eine konsequente Umsetzung vorhandener Erkenntnisse in Prävention, Opferschutz und staatliches Handeln.

Mit der Preisverleihung würdigt der BDK Schleswig-Holstein eine Persönlichkeit, die mit wissenschaftlicher Beharrlichkeit, gesellschaftlichem Engagement und großer persönlicher Konsequenz ein lange vernachlässigtes Themenfeld sichtbar gemacht hat. Ihre Forschung hat nicht nur die öffentliche Debatte bereichert, sondern liefert auch wertvolle Erkenntnisse für diejenigen, die tagtäglich Verantwortung für Schutz, Sicherheit und Prävention tragen.

Herzlichen Glückwunsch Dr. Kristina Wolff!

Der Landesvorstand

Impressionen:

#Knattertonehrenmützenverleihung

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Schleswig-Holstein
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