Tarifrunde öffentlicher Dienst - Jetzt wird es ernst

11.01.2026

Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Zweite Verhandlungsrunde 15. & 16. Januar 2026. Jetzt kommt es darauf an – Erwartungen an die Arbeitgeberseite sind klar formuliert!

Die Tarifrunde für die Tarifbeschäftigten der Länder (TV-L) ist in eine entscheidende Phase eingetreten. Die erste Verhandlungsrunde Anfang Dezember 2025 ist ohne Angebot der Arbeitgeberseite zu Ende gegangen. Mit der zweiten Verhandlungsrunde am 15. und 16. Januar steht nun ein Moment an, der richtungsweisend für den gesamten weiteren Verlauf der Tarifrunde sein wird. Jetzt richtet sich der Blick der Beschäftigten klar auf die Arbeitgeberseite.

Die Geduld ist nicht unbegrenzt. Die Länderbeschäftigten erleben seit Jahren eine zunehmende Diskrepanz zwischen Arbeitsbelastung und Bezahlung. Inflation und gestiegene Lebenshaltungskosten haben die Einkommen real geschmälert. Fachkräftemangel, zusätzliche Aufgaben ohne entsprechenden Personalausgleich, gestiegener gesellschaftlicher und politischer Druck sowie eine weiterhin schleppende Modernisierung der Verwaltungsstrukturen prägen den Arbeitsalltag vieler Kolleginnen und Kollegen. Viele Beschäftigte erleben, dass ihre Leistung wachsen muss, ihre Bezahlung aber nicht Schritt hält.

Dass in der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot vorgelegt wurde, hat dieses Gefühl weiter verstärkt. Umso klarer ist die Erwartung an die Arbeitgeberseite für die zweite Verhandlungsrunde: Jetzt braucht es Bewegung.

Wertschätzung zeigt sich im Angebot – nicht in Ankündigungen

Aus Sicht des Bund Deutscher Kriminalbeamter NRW ist klar: Ein tragfähiger Tarifabschluss muss mehr leisten als symbolische Zugeständnisse. Er muss die reale Situation der Beschäftigten abbilden und spürbare Verbesserungen bringen.

Der BDK hat frühzeitig deutlich gemacht, worauf es ankommt

  • eine deutliche lineare Entgelterhöhung, die Reallohnverluste ausgleicht,
  • eine kurze Laufzeit von 12 Monaten, um weitere Preissteigerungen nicht erneut zu Lasten der Beschäftigten gehen zu lassen,
  • substantielle Verbesserungen bei Zulagen und belastungsbezogenen Komponenten,
  • flexiblere Entwicklungs- und Perspektivmöglichkeiten für Tarifbeschäftigte im TV-L verankern,
  • Anhebung der eingefrorenen Jahressonderzahlungen,
  • zusätzlicher Urlaubstag,
  • kostenloses Jobticket,
  • Übertragung des Tarifergebnisses auf die BeamtInnen der jeweiligen Länder,
  • sowie insg. einen Tarifvertrag, der den öffentlichen Dienst wieder konkurrenzfähig macht.

 

Jetzt ist die Arbeitgeberseite am Zug!

Diese Forderungen sind keine Wunschliste, sondern die logische Konsequenz aus den Erfahrungen der vergangenen Tarifrunden und der in den letzten Jahren zuspitzenden Belastungslage.

Die zweite Verhandlungsrunde wird zeigen, ob die Arbeitgeber bereit sind, diese Realität anzuerkennen. Ein angemessenes Angebot wäre ein wichtiges Signal an die Beschäftigten, dass ihre Leistung gesehen, ernst genommen und angemessen anerkannt wird.

Bleibt ein solches Signal aus, wird das nicht folgenlos bleiben. Tarifrunden leben von Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – auf beiden Seiten. Wird ein Angebot gemacht, das die Realität verkennt oder auf Zeit (längere Dauer des Tarifvertrags) spielt, würde den Druck weiter erhöhen – sowohl innerhalb der Verhandlungen als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Umgekehrt kann ein angemessener Einstieg zeigen, dass die Leistung der Tarifbeschäftigten gesehen und respektiert wird. Der BDK wird diesen Prozess eng begleiten und sich konsequent für die Interessen der Beschäftigten einsetzen.

Gemeinsam sichtbar bleiben

Jetzt kommt es auch darauf an, dass die Tarifbeschäftigten aufmerksam bleiben, Entwicklungen verfolgen und geschlossen hinter ihren Forderungen stehen. Denn eines ist klar: Nur mit einer starken gemeinsamen Haltung entsteht das notwendige Zeichen, um zu einem gerechten Ergebnis zu kommen.

Die zweite Verhandlungsrunde ist mehr als ein Termin im Kalender. Sie ist ein Prüfstein dafür, wie ernst es die Arbeitgeberseite mit der Wertschätzung der Beschäftigten wirklich meinen.

 

Christel Fein

Stv. Landesvorsitzende & tarifpolitische Sprecherin

Bund Deutscher Kriminalbeamter NRW e.V.

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