Die Eilkompetenz der Strafverfolgungsbehörden bei Gefahr im Verzug
12.05.2026
Duncker & Humblot, Berlin 2026
ISBN 978-3428197422
brosch., 256 S.
89,90 €
Ausgangspunkt der Dissertation Die Eilkompetenz der Strafverfolgungsbehörden bei Gefahr im Verzug von Paulina Noppeney ist kein theoretisches Randproblem, sondern ein Szenario, das in der Praxis jederzeit relevant werden kann: Der Ermittlungsrichter ist erreicht, entscheidet aber nicht – und die Zeit läuft. Die Linie des Bundesverfassungsgerichts ist bekannt und eindeutig: Mit der Befassung des Richters endet die Eilkompetenz der Strafverfolgungsbehörden; ein Wiederaufleben wegen Gefahr im Verzug ist ausgeschlossen.
Die Autorin arbeitet die Konsequenzen dieser Rechtsprechung präzise heraus – bis hin zu der unangenehmen, aber realistischen Feststellung, dass eine verzögerte oder ausbleibende Entscheidung im Einzelfall zum endgültigen Verlust von Beweismitteln führen kann. Stark ist die Arbeit vor allem dort, wo sie nicht bei der Problembeschreibung stehen bleibt. Diskutiert werden verschiedene, teils bereits in der Literatur angelegte, teils weiterentwickelte Lösungsansätze – von organisatorischen Verbesserungen über Kommunikationsfragen bis hin zu Überlegungen eines eigenständigen Rechtsbehelfs. Die Bewertung erfolgt differenziert und ohne vorschnelle Schlussfolgerungen.
Für die Praxis bleibt dennoch ein ernüchternder Befund: Nicht jede Konstellation lässt sich unter den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen befriedigend auflösen. Gerade deshalb ist die Lektüre für kriminalpolizeiliche Praxis, aber auch für Ausbildung und Führungsebene sinnvoll – als fundierte Grundlage für die Einordnung eines Problems, das sich operativ nur begrenzt beeinflussen lässt.
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