Kontinuitäten in der Judikatur zu den Mordmerkmalen (§ 211 StGB)

12.01.2026

Hat die bundesdeutsche Strafjustiz nationalsozialistisches Gedankengut weitergetragen? Schriften zum Strafrecht, Band 457 (Dissertation): Kristéll, Julian



Duncker & Humblot, Berlin 2026
ISBN 978-3428195954
geb., 397 S.
89,90 €


Julian Kristéll untersucht in seiner Dissertation die historische Entwicklung und Anwendung der Mordmerkmale des § 211 StGB. Ausgangspunkt ist deren Einführung im Nationalsozialismus im Jahr 1941 und die damit verbundene stark wertungs- und täterbezogene Ausrichtung.

Darauf aufbauend analysiert der Autor die Rechtsprechung systematisch bis in die Gegenwart. Er zeigt, dass bestimmte moralisch geprägte Wertungsmuster in der Nachkriegsjudikatur fortwirken – teilweise bis heute – und sich nicht allein dogmatisch erklären lassen. Kristéll vermittelt damit ein vertieftes Verständnis der historisch gewachsenen juristischen Einordnung von Tötungsdelikten und leistet einen wichtigen Beitrag zur rechtshistorischen Einordnung des geltenden Mordrechts sowie zur anhaltenden Reformdiskussion um § 211 StGB.

Für die Praxis besonders relevant sind die detaillierten Ausführungen zur Auslegung der Mordmerkmale sowie das zeitchronologische, in seinem Umfang beeindruckende Verzeichnis aller veröffentlichten Mordurteile von 1941 bis 2023 – einschließlich DDR-Entscheidungen und Urteilen zur Prüfung einzelner Mordmerkmale.

Dieses 149 Seiten umfassende Register macht die Dissertation zugleich zu einem wertvollen Nachschlagewerk. Fazit: Eine uneingeschränkte Lektüreempfehlung für Ermittler in Tötungsdelikten sowie für die polizeiliche Aus- und Fortbildung.


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